Unterricht und Lehre

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Oktober 6, 2012 von JoS

In meinem DLF-Beitrag zum Thema „Lehre hoch n“ habe ich nur etwas dazu gesagt, dass einige Professores Interesse an der Lehre hätten und andere nicht.Was nicht gesendet wurde ist mein Hinweis, dass man zwischen Unterricht und Lehre unterscheiden müsse. Dies möchte ich hiermit nachreichen. Dazu bietet es sich an, zuerst einen kleinen Abriss über akademische Qualifikationen zu machen.

Der erste akademische Grad war früher der Magister oder das Diplom. Heute soll es angeblich der Bachelor sein, ist de facto aber der Master. Diese Abschlüsse deuten lediglich auf ein abgeschlossenes Studium hin und werden, außerhalb von akademischen Kontexten, für gewöhnlich auch nicht geführt. Der erste „richtige“ akademische Grad ist somit der Doktor.

Der Begriff Doktor leitet sich aus dem lateinischen doctus ab, was gelehrt bedeutet. Die Verleihung des Doktorgrades legt entsprechend Zeugnis darüber ab, dass die promovierte Person zu eigenständiger wissenschaftlicher Arbeit in der Lage ist. Doktoren haben jedoch kein Recht auf Lehre, auch wenn gerne behauptet wird, der wissenschaftliche Mittelbau, dies sind dann sowohl promovierte, wie auch nicht promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, trage die Hauptlast der Lehre.

Im deutschsprachigen Raum, aber auch in Frankreich und einigen osteuropäischen Staaten, schließt sich an den Doktorgrad eine weitere akademische Qualifikation an: Die Habilitation. Das Wort Habilitation leitet sich wiederum aus dem lateinischen habilis ab, was befähigt oder fähig bedeutet. Mit dem Erreichen der Habilitation geht die Verleihung des doctor habilitatus einher. Ebenfalls einher mit dem Erreichen dieses Grades geht die facultas docendi, die Lehrbefähigung. Erst hier tritt der Begriff der Lehre überhaupt in Erscheinung. Jede*m Habilitant*in wird also eine Lehrbefähigung zugesprochen. Lehren dürfen sie damit jedoch noch immer nicht. Dazu muss zusätzlich die venia legendi, die Lehrerlaubnis erteilt werden. Lehre machen darf also nur, wer über eine venia legendi verfügt.

Interessant ist dabei auch die aktivische und passivische Satzstellung in den beiden akademischen Graden: Man wird promoviert, habilitiert sich jedoch selbst. Zwar gibt es in beiden Fällen Gremien, die dies überwachen. Die Erlangung des Habilitationsgrades weist jedoch formale Differenzen zu der des Promotionsgrades auf.

Was hat dies nun alles mit der Frage nach Unterricht und Lehre zu tun? Die Sache ist ganz einfach. Immer dann, wenn wir von Lehre sprechen, meinen wir Unterricht. Die Lehre ist die Diskussion der eigenen wissenschaftlichen Arbeit im Auditorium mit Studierenden. Dies findet an Universitäten beinahe garnicht mehr statt. Stattdessen gibt es durch die Akkreditierungspflicht einheitliche Curricula, die den schulischen immer mehr ähneln. Dass ein Großteil der Professores kaum gewillt ist, vor 500 schnatternden Studierenden zu stehen und allgemeines über sein grobes Fachgebiet zu erzählen, kann man kritisieren. Dann darf man aber nicht seine Lehre kritisieren, denn er lehrt in diesem Moment nicht, er unterrichtet.

Wissenschaft funktioniert diskursiv. Dabei ist es egal, ob es um Fachzeitschriften, Feuilletondebatten oder eben Seminare und Vorlesungen geht. Die Lehre funktioniert auch nur so. Solange man also Studierende wie Vieh durch Universitäten schleust, auf das sie bald formal Akademiker*innen sind, so konterkariert man die Idee von Wissenschaft. Und man unterminiert die im Grundgesetz festgelegte Freiheit, wie auch Einheit, von Forschung und Lehre. Anstatt Professores bessere Manieren beibringen zu wollen, sollte man sie vielleicht ihren Job machen lassen. Das umfasst Forschen und Lehren, aber eben selten das Unterrichten. Darum sind sie auch an einer Hochschule, nicht an einer Schule.

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