Nun also doch, liebe Annette?

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Oktober 14, 2012 von JoS

Alles Leugnen scheint doch nichts zu helfen. Wie die Welt, rekurrierend auf den Spiegel, heute berichtet, „verdichten“ sich die Hinweise, dass Frau Noch-Dr. Schavan in ihrer Dissertation nicht nur schlecht zitiert hat, sondern, dass man ihr eine „leitende Täuschungsabsicht“ unterstellen kann. Ihre Karriere als Ministerin dürfte damit beendet sein. Doch ab von ein wenig hämischer Freude über einen weiteren Zwangsabgang aus Kabinett Merkel II ergibt sich hier auch ein interessanter Blick auf ein christdemokratisches Bildungsverständnis.

Als die Vorwürfe gegen Schavan Anfang Mai dieses Jahres bekannt wurden schrieb ich auf Suite101 bereits einen Artikel zu diesem Thema. Der Titel damals: Die Entwertung der Wissenschaft. Denn genau darum geht es und genau das bezeugt auch Schavans Handeln.

In seiner Metaphysik beschreibt Aristoteles das Staunen als Anfang allen Philosophierens. Man kann das Philosophieren hier mit Sicherheit generell als Erkenntnisstreben verstehen. Für die Wissenschaft bedeutet dies in Folge dessen, dass das Interesse an einem Gegenstand, das Sich-Wundern über Dinge und der unbedingte Drang des Erforschens eines Sachverhaltes das unabdingbare Fundament jeglicher Arbeit darstellen. Nicht so bei Schavans Wissenschaftspolitik.

Die Umstellung der alten Diplom- und Magisterstudiengänge hin zum Bachelor- und Masterabschluss hat das deutsche Hochschulwesen massiv verändert. Es verkürzt Studienzeiten, engt ein und erzeugt vor allem eines: Formale Abschlüsse ohne wissenschaftlichen Mehrwert. Studierenden soll nicht das Staunen, nicht das Sich-Wundern gelehrt werden. Sie sollen keine breite Bildung erfahren oder gar einen kritischen Standpunkt entwickeln können. Sie sollen Formalakademiker werden.

Wenn es nur um Formalabschlüsse geht, entwertet dies das Wissenschaftssystem. Bachelorabschlüsse schaffen „Light-Akademiker*innen“, die in der Statistik gut aussehen, weil sie die Akademikerquote steigern und die Wirtschaft freuen, weil sie prekär beschäftigt werden können. Sollten sich Prüfungsausschuss und Fakultätsrat dem Gutachter anschließen, so muss Frau Schavan zurücktreten. Und mit ihrem Rücktritt steht auch ihre gesamte Politik in Frage. Gerüchteweise liegen noch Magister- und Diplomprüfungsordnungen in manchen Schubladen. Man sollte darüber nachdenken, diese noch einmal zu studieren.

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