Das Jahr 2012 in Büchern

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Dezember 31, 2012 von JoS

Im Jahr 2011 habe ich begonnen zu notieren, wie viel (zu wenig) und was (zu wenig gehaltvolles) ich eigentlich so lese. Im Jahr 2012 habe ich dies fortgesetzt und präsentiere hiermit eine kleine, kommentierte Bücherschau:

Frank Schirrmacher – Minimum

Frank Schirrmacher, Herausgaber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, plädiert in seinem Buch Minimum für die Familie als kleinste soziale Gruppe in der Gesellschaft. Die Abhandlung ist erwartbar konservativ, aber durchaus lesenswert.

Theoder Storm – Der Schimmelreiter

Ein Klassiker der deutschen Literatur, wegen seiner doppelten Rahmung auch literaturwissenschaftlich sehr interessant. Habe mir danach eine Storm Werkausgabe aus vom Anfang des 20. Jahrhunderts angeschafft. Definitiv lesenswert.

Berthold Brecht – Die Gewehre der Frau Carrar

Im Gegensatz zu anderen Stücken Brechts ist Die Gewehre der Frau Carrar wenig allegorisch, sondern zielt direkt auf den moralischen Konflikt. Nicht sein bestes, aber ein durchaus nicht zu vernachlässigendes Stück.

Ambrose Bierce – Zwischenfall an der Eulenfluss Brücke (Erzählungen)

Einmal nicht aufgepasst und dann aus Versehen einen Erzählband mitgenommen. Bierce ist stark moralisierend und darin sehr amerikanisch. Manche Geschichten taugen zur Weitergabe, andere weniger.

Stefan Zweig – Schachnovelle

Gelebter Wahnsinn auf wenigen Seiten. Stefan Zweig malt ein unheimliches Psychogramm auf begrenztem Raum. Definitiv zur Weitergabe empfohlen.

Alfred Kubin – Die andere Seite

Alfred Kubin ist eigentlich als Maler bekannt geworden, aber auch als Romancier ist er erfolgreich gewesen; wenn auch nur einmal. Dieses Werk ist mindestens so verstörend wie seine Bilder und hinterlässt eine gewissen Übelkeit nach den letzten Seiten.

Hugo von Hoffmannsthal – Der Tor und der Tod

Klassische Auseinandersetzung mit dem Leben im Moment des Todes.

Novalis – Hymnen an die Nacht

Tief triefender, aber auch sehr dichter, Kitsch zum Thema Tod. Bedarf des mehrfachen Lesens, aber auch einer hohen Toleranz für oppulente Bilder.

Ingeborg Bachmann – Der gute Gott von Manhattan

Buchfassung eines Hörspiels. Sehr wirr, sehr zynisch und ein wenig an Brecht erinnernd.

Stanislaw Lem – Summa technologiae

Endlich mal Theorie! Lems Werk ist schon ein paar Jahrzehnte alt, aber bei Futurologen hat das den Vorteil, dass man ein wenig überprüfen kann. Lem ist dabei erstaunlich präzise. Und sehr breit. Nichts für close-reading.

Stanislaw Lem – Also sprach GOLEM

Einige Lem-Thesen in Form von fiktionaler Erzählung. Belletristik ja, Bleistift ist dennoch mitzunehmen.

Stefan Zweig – Brief einer unbekannten Frau

Ein weiteres krankes Psychogramm, nur diesmal tief traurig. Lässt sich an einem Abend lesen, vor allem mit Wein.

Hermann Hesse – Siddartha

Hesse schreibt ein indisches Märchen. Bewegend, für viele sicher wieder zu kitschig und am Ende wieder unbefriedgend. Hesse ist Kampf, aber einer, der zu führen ist.

Jan Willem Stutje – Ernest Mandel – Rebell zwischen Traum und Tat

Biographie über den trotzkistischen Ökonomen Ernst Mandel. Stutje bettet die Lebensgeschichte breit in den historischen Kontext ein. Ein sehr lehrreiches Buch, das Lust auf die Auseinandersetzung mit Mandels ökonomischen Ideen macht.

Jan Haffner – Anmerkungen zu Hitler

Wohl der Klassiker zur Hitlerliteratur. Ein paar interessante Fakten, interessante Interpretationen und überhaupt ein leicht zu lesender Stil. Wissenschaftlich nicht sehr ergiebig, aber durchaus informierend.

Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns

Eine harte Auseinandersetzung mit dem politischen Katholizismus und dem Verhältnis zwischen emotionalen und sozialen Bindungen. Eine Frage nach der Auseinandersetzung mit dem Faschismus und dem traurigen Ergebnis, dass die größten Verbrecher noch immer auf den wichtigsten Positionen sitzen.

E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann

Noch so ein Klassiker der deutschen Literatur mit weiter offen stehenden Fragen zum Szientismus.

Alfred Döblin – Berlin Alexanderplatz

Das sowohl schnellste, als wohl auch resignierenste Buch, dass ich dieses Jahr gelesen habe. Auch bei Döblin gereichen manche Schilderungen zur physischen Übelkeit. Man braucht Nerven!

Michail Scholochow – Ein Menschenschicksal

Erzählung über das Leiden der gewöhnlichen Bevölkerung unter den Verwerfungen der Revolution. Ist nicht viel hängen geblieben.

John Steinbeck – Früchte des Zorns

Roman über die Unterwerfung des menschlichen Lebens unter die Produktionsbedingungen. Eine radikale Abrechnung mit dem Kapitalismus, dessen Mechanismen sich seit dem Erscheinen dieses Buches 1939 nicht im geringsten geändert haben.

Albert Camus – Der Fall

Kleine Kriminalgeschichte mit ungewöhnlichem Ausgang. Hinterlässt ein wenig Wehmut.

Rudolf Schenker – Rock your Life!

Autobiographie des Gitarristen meiner Lieblingsband. Ganz viel Esoterik und platte Weisheiten über das Leben. Aber die Tourgeschichten aus den 80ern sind sehr unterhaltsam wiedergegeben. Ansonsten lohnt sich die Lektüre nicht.

Fjodor Dostojewski – Onkelchens Traum

Frühwerk des großen Russen. Erinnert in vielen Zügen an Der Idiot und ist noch weit von der Tiefe der großen Romane entfernt. Was sich hier jedoch bereits erkennen lässt, ist der genaue Blick Dostojewkis für die sozialen Realitäten seiner Zeit.

E.T.A. Hoffman – Das Majorat

Eine kleine Verratsgeschichte im packenden Stil von Hoffmans geballter Sprache. Eine wirklich lesenswerte Erzählung!

Rüdiger Safranski – Nietzsche. Biographie seines Denkens

Von Berufsphilosophen verpönt, aber eine durchaus übersichtliche und interessante Rekapitulation der Philosophie Nietzsches. Angespickt mit biographischen Verweisen und durchaus auch für Nichtphilosophen verstehbar. Kein systematischer Zugang, aber ein Überblick.

Max Frisch – Stiller

Verstellungsgeschichte mit Hang zur Frage nach dem Grund von Existenz bzw. Fortleben. Tief traurig und mitnehmend. Nichts für Sommertage.

Fynn – Hallo, Mr. Gott, hier spricht Anna

Kinderbuch, dass ich noch als Hörbuch kannte. Bewegende Geschichte um ein achtjähriges Mädchen und ihre Art mit der Welt umzugeben. Wahrscheinlich die beste Art die Grundlagen unseres Lebens in Frage zu stellen.

Christa Wolff – Der geteilte Himmel

Erzählung über das Spannungsfeld zwischen emotionalen und politischen Verhältnissen zueinander. Keine Apologie der DDR, aber die Frage nach der Selbstverständlichkeit der ideologischen Überlegenheit des Kapitalismus.

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