Nah-Ost Konflikt: Das politische Minenfeld

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Januar 7, 2013 von marvster77

Nahezu jede Woche finden sich Meldungen über neue Siedlungsprojekte der israelischen Regierung im Westjordanland oder von Raketenangriffen der Hamas auf israelische Städte in den Medien. Zuletzt wurde Jacob Augstein vom Simon-Wiesenthal-Center (SWC) wegen seinen Äußerungen in seiner Spiegel Kolumne zu einen der Top Antisemiten der Welt erklärt.

Oft werden Israel- und/oder Palästinakritiker*innen einfach und schnell als antisemitisch oder islamophob abgestellt. Dies kratzt allerdings nur an der Oberfläche. Man muss durchaus unterscheiden, wer, aus welcher Ecke und wie Kritik an Israel oder Palästina äußert.

Wenn die islamistische Hamas, welche 2006 demokratisch zur Regierung der Autonomiegebiete gewählten wurde, den Tod Israels fordert, wird jeder halbwegs gebildete Mensch erkennen, dass es sich hierbei um Antisemitismus in seiner reinsten Form handelt. Das gleiche gilt auch für die Neofaschisten*innen der NPD. Diese interessieren sich nicht für eine Lösung des Konfliktes sondern einzig und allein für die Hetze gegen Migrant*innen, Juden, Muslime oder andere Minderheiten.

Wenn eine Bewegung oder eine Person sich gegen Nationalstaaten an sich wendet, und damit auch das Existieren der Nationalstaaten Deutschland, USA, China, Japan oder Frankreich kritisiert, wäre es falsch ihnen beim Kritisieren Israels an sich direkt Antisemitismus zu unterstellen.

Wer von einer homogenen Masse namens „Israel“ und „Palästina“ ausgeht, zeigt nur, dass er oder sie nicht an einer genauen Auffassung der Situation und des Konfliktes interessiert ist. Wer stumpf Israel oder Palästina kritisiert, dem wird meist zu recht Antisemitismus oder Islamophobie unterstellt.

Wer allerdings die israelische Regierung dafür kritisiert, dass sie völkerrechtswidrig Siedlungen im Westjordanland baut oder Kinder an ihrer Grenze erschießt, handelt meistens nicht antisemitisch. Es gehört zur parlamentarischen Demokratie dazu, nein es ist sogar die Pflicht aller Bürger*innen, Regierungen in ihrem offensichtlichen Fehlverhalten zu kritisieren und Vorschläge zu machen, wie diese Vermieden werden können.

Das Gleiche gilt natürlich auch für die Raketenangriffe der Hamas auf israelische Städte oder für ihre Terrormittel. Die Strategie der Attrition ist nun mal ein Merkmal, welches die meisten Terrororganisationen benutzen. Wer sich als terroristische Organisation stumpf auf Mord spezialisiert, gehört zu Recht geächtet. Wer die Hamas kritisiert, weil sie eine Terrororganisation ist, ist in der Regel auch nicht islamophob.

Es wäre wünschenswert, wenn sich israelische und palästinensische (Lobby-)Organisationen öfter kritisch äußern würden und dies auch von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen werden würde, damit in den Massenmedien auch Stimmen aus den „eigenen“ Reihen zu hören sind. Diese Stimmen würden dem Diskussionsprozess weiter nach vorne bringen, da diesen wohl seltener Antisemitismus oder Islamophobie unterstellt werden würden.

Eine weitere Frage ist natürlich, warum der Israel-Pälestina-Konflikt so allgegenwärtig ist und sich so viele Nachrichten, Kolumnen oder Blog-Einträge, wie auch dieser hier, mit mit diesem Thema beschäftigen. Fakt ist doch, dass sich die UN und der UN-Sicherheitsrat am Meisten mit diesem Konflikt beschäftigen. Der Israel-Pälestina-Konflikt dauert schon zu lange an und ist noch so verfahren, dass es sich schon aus wissenschaftlicher Sicht lohnt diesen zu untersuchen.
Weiterhin ist dieser Konflikt für die „westliche“ Welt und auch für Deutschland auf Grund der Vergangenheit enorm wichtig. Alle zusammen haben wir die Verantwortung dafür, dass es nie wieder zu einer groß-industriellen Vernichtung von menschlichen Leben kommt, wie es im Holocaust geschehen ist.

Ich möchte dafür plädieren, dass man sich den Nah-Ost-Konflikt nüchtern anschaut und sich nicht von der Propaganda beider Seiten einlullen lässt. Im Laufe dieses Konfliktes wurde von allen Seiten so viel Unrecht begangen, dass man sich eigentlich nicht guten Gewissens auf eine der Seiten stellen kann. Allerdings muss die Kritik vernünftig geäußert werden.

Denn für Antisemitismus und Islamophobie ist kein Platz auf der Welt!

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4 Kommentare zu “Nah-Ost Konflikt: Das politische Minenfeld

  1. delia sagt:

    :-* Affig

  2. […] in dem ich den Begriff “Israelkritik” kritisierte bekam ich von marvster77 auf seinem Blog Dann Links! eine Antwort, die unter […]

  3. alex sagt:

    Ich habe darauf mal geantwortet:

    „Aber die wohl wichtigsten Konsequenz aus dem Holocaust (oder, um es deutlich zu sagen: Dem Höhepunkt des Weltweiten Antisemitismus in einem Industriellen Massenmord an über 6.000.000 Jüd*innen) ist und bleibt: Israel. Der Staat Israel, der Staat der Jüdinnen und Juden wurde gegründet, um das Leben der Jüdinnen und Juden vor allerlei Angriffen von Antisemit_innen zu schützen.“
    http://alexander-nabert.de/2013/israel-bis-zur-grenzenlosen-welt/

  4. […] veröffentlichte marvster77 auf diesen Blog seinen Debütbeitrag, in welchem er sich für eine differenzierte Kommentierung der Nahost-Politik einsetzte. Der […]

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