Doch nicht so rechts die Rechten?

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Januar 9, 2013 von marvster77

„Auch zum jetzigen Zeitpunkt liegen der Bundesregierung keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür vor, dass der Dachverband der Deutschen Burschenschaft (DB) Bestrebungen verfolgt, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind.“, lautet die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Ulla Jelpke [Die Linke].

Wäre es vielleicht möglich, dass die Bundesregierung recht hat, oder verschließt diese erneut ihre Augen vor dem Rassismus in der Gesellschaft?

Um diese Frage beantworten zu können müssen wir uns zu erst die aktuelle Situation im Dachverband der deutschen Burschenschaft anschauen. Der letzte und dabei auch außerordentliche Burschentag fand Ende 2012 in Stuttgart statt, da auf dem letzten regulären Treffen deutlich wurde, dass „liberale“ und radikal rechte Burschenschaften sich in einem Lagerkampf befinden.

Auf diesem Burschentag sollten einige Satzungsänderungsanträge beschlossen werden. Dies wissen wir, da einige Anträge im Vorfeld geleaked wurden. So stellte die Marburger Burschenschaft Rheinfalken einen Satzungsänderungsantrag in dem folgende Passage zu finden ist: „Nur männliche studierende Deutsche können in eine Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft aufgenommen werden. Deutscher ist grundsätzlich, wer sich durch Sprache, Kultur und Abstammung als Deutscher auszeichnet.“

Anhand dieses Beispiels wird klar, wo sich diese Burschenschaft einordnen lässt. So haben Frauen generell kein Recht einer Burschenschaft beizutreten. Burschenschaften sollen scheinbar ein patriarchaischer Verein bleiben, in dem Männer ihre Trinkspiele und Gewaltrituale wie die Mensur ungestört von „Weibsbildern“ durchführen können. Allerdings lassen einige Burschenschaften Frauen als schmückendes Mitbringsel zu ihren Trinkabenden zu, wie es zum Beispiel bei der Burschenschaft Arminia Lage zu Paderborn et Duisburg/Essen der Fall ist.

Erschreckend ist eben auch die Definition eines Deutschen. Dieser muss nämlich eine deutsche Abstammung besitzen. Es spielt bei den Burschenschaften scheinbar keine Rolle, dass Migrant*innen das gesellschaftliche Leben in Deutschland bereichern, in dem sie uns alternative Arten des Zusammenlebens lehren oder andere kulturelle Sichtweisen und Gebräuche einbringen. Was zählt ist das deutsche Blut.

Weiter heißt es in diesem Antrag, dass „Bewerber nichtdeutscher Abstammung […] nur bei vollendeter Assimilation an das deutsche Volk in eine Burschenschaft der Deutschen Burschenschaft aufgenommen werden [können]“ Weiter heißt es:„Die Feststellung der Vollendung der Assimilation obliegt bei Aufzunehmenden mit Herkunft aus dem abendländischen-europäischen Kulturkreis der aufnehmenden Burschenschaft.“


Hier wird den Mitgliedern oberflächlich so etwas wie Weltoffenheit vorgegaukelt. Es dürfen eben nur Nichtdeutsche Mitglied werden, die ihre komplette Vielfalt aufgegeben haben und sich komplett einem „deutschen Wesen“ angepasst haben. Natürlich entscheiden die „Deutschen von Blut“ wer deutsch genug ist, um in eine Burschenschaft aufgenommen zu werden.

Weiter wird die deutsche Burschenschaft nun von der Wiener akademischen Burschenschaft Teutonia geleitet. Diese Burschenschaft schmückte sich früher mit Parolen wie „Ganz Ostdeutschland ist heute noch besetzt“ oder „Gebietsabtretungen revidieren!“, welche klar auf die Gebiete des alten deutschen Reiches anspielen. Das Motiv der Lebenserweiterung in den Osten bzw. das Zurückverlangen ehemals deutscher Gebiete ist in der (radikalen) rechten Szene weit verbreitet.

Des Weiteren besitzt die Wiener akademische Burschenschaft Teutonia nachweislich Kontakte in die militant-rechte Szene in Österreich.

Als einzigen „Erfolg“ kann betrachtet werden, dass circa 20 gemäßigte Burschenschaften, die immer noch vor Rassismus, Nationalismus und Sexismus triefen, die deutsche Burschenschaft verlassen haben oder verlassen wollen.

Anhand dieser Beispiele, die erstens schnell zu finden sind und zweitens unmissverständlich deutlich machen, welcher Wind in der deutschen Burschenschaft weht, ist es schwer zu glauben, dass die Bundesregierung keine radikal rechten Handlungen oder auch nur Tendenzen in der deutschen Burschenschaft erkennen kann.

Hier zeigt die Bundesregierung erneut, dass es ihr an Gefühl oder vielleicht auch am Willen fehlt, wenn es gegen die radikale Rechte und Diskriminierung in Deutschland geht, vor allem wenn man bedenkt, dass es einige aktive Politiker in der CDU/CSU gibt, die Burschenschaftler sind.

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