Promotion und Politik

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Januar 11, 2013 von JoS

Die gegenseitige Unterstellung, man habe bei seinen Dissertationsarbeiten geschummelt, scheint eine neue Auseinandersetzungsart der etablierten Parteien geworden zu sein. Angefangen hatte es mit dem Verteidigungsminister Karl-Theoder zu Guttenberg, welcher sogar einen Ghostwriter gehabt zu haben schien, und es zog sich weiter über die FDP-Europaabgeordneten Silvana Koch-Mehrin und Jorgo Chatzimarkakis. Nebenbei wurde auch noch der eine oder andere Parlamentarier respektive die eine oder andere Parlamentarierin, vor allem aus dem bürgerlichen Lager, mitgenommen. Aktuell steht die Promotionsarbeit von Bildungsministerin Annette Schavan zur Prüfung.

In Nordrhein-Westfalen hat es nun den Medienstaatssekretär, Dr. Marc Jan Eumann, erwischt. Dieser soll, obacht!, bei sich selbst abgeschrieben haben. Während also zu Guttenberg, bzw. sein Ghostwriter, noch seitensweise aus Zeitungsartikeln und Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages abgeschrieben haben, ohne dies kenntlich zu machen und bei Frau Schavan zumindest noch anzunehmen ist, dass sie mehr Wissen vorgetäuscht hat, als sie in Wirklichkeit hatte, geht es bei Eumann um die Genese seiner Gedanken. Nach Ansicht von FDP und CDU hätte Eumann seine Magisterarbeit in seinem Literaturverzeichnis angeben müssen.

Das so beliebte „Geschmäckle“ wittern die Oppositionsparteien, da Eumanns Doktorvater, der Journalistikprofessor Dr. Horst Pöttker, wenig später Geld für sein Institut erhielt. Ähnliche Vorwürfe gab es zu dem auch bei Guttenberg.

Interessant ist dieser Fall, da hier weder ein Bildungspolitiker angegriffen wird, noch der Vorwurf des Fremdplagiats gemacht wird. Vor allem der CDU-Fraktionsvorsitzende, Karl-Josef-Laumann, nimmt hier eine fachinterne Debatte zum Anlass für eine politische Kampagne. Die Behauptung des Kommunikationswissenschaftlers Dr. Arnulf Kutsch, welcher Professor für Kommunikationswissenschaften an der Universität Leipzig ist, lautet nämlich, dass Eumann seine Magisterarbeit zu weiten Teilen übernommen habe. Die Erwiderung des Zweitgutachters, des inzwischen emerierten Professors Dr. Ulrich Pätzold, dass dies nur die Forschungskontinuität ausdrücke, ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.

Im Gegensatz zu den klaren Plagiatsfällen der ersten Generation, v.a. zu Guttenberg, Koch-Mehrin und Chatzimarkakis, unterscheidet sich dieser Fall in eminenter Weise. Er stellt die Frage, ob weiterführende Publikationen, auch wenn diese zur weiteren wissenschaftlichen Qualifikation dienen, eine intensivere Beschäftigung mit einem Thema ermöglichen sollen oder einer thematischen Abgrenzung bedürfen. Diese Debatte sollten jedoch Wissenschaftler*innen unter sich führen. Zur politischen Auseinandersetzung taugt sie nicht.

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