Mein K(r)ampf – Warum Bayern mit Hilter Geld verdient.

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Januar 13, 2013 von marvster77

 Am 1. Januar 2016 ist es soweit. Der Freistaat Bayern verliert dann die Urheberrechte an einem der meist verkauften Bücher der deutschen Geschichte: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler. Dies beutet, dass „Mein Kampf“ in Deutschland wieder nachgedruckt werden darf.

Dies mag im ersten Augenblick verwunderlich klingen, da es in Deutschland common sense zu sein scheint, dass „Mein Kampf“ verboten sei. Dies kann zu Recht als Urban Legend bezeichnet werden. Richtig ist, dass das bayrische Finanzministerium nach dem Tod Hitlers und nach dem Ende der Besatzungszeit die Rechte an „Mein Kampf“ geerbt hat.

Das bayrische Ministerium verbietet also nur den Nachdruck von „Mein Kampf“. Weiter entschied der Bundesgerichtshof 1979, dass der Besitz und die Verbreitung des Buches als Antiquariat nicht (!) strafbar sind.

Interessant ist natürlich auch, dass Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen im Kontext mit „Mein Kampf“ von allen Steuerzahler*innen finanziert werden. Wenn es also zu Bußgeldern kommt, verdient der Freistaat Bayern Geld durch Adolf Hitler. Profit mit dem geistigen Eigentum des größten Massenmörders aller Zeiten zu machen ist zumindest eins: makaber.

Weiter kann das Verbreitungsverbot als unsinnig bezeichnet werden. Jede Person, die dieses Buch wirklich lesen will, bekommt dieses innerhalb von 10 Sekunden als PDF-Datei, Google sei Dank.

Natürlich steht die deutsche Gesellschaft spätestens ab dem 1. Januar 2013 vor einer entscheidenden Frage: Wie geht man damit um, dass die Verbreitung von „Mein Kampf“ wahrscheinlich nicht mehr zu verhindern sein wird?

Zunächst einmal sollte man sich bewusst machen, dass vor allem Eins wichtig ist: Entmysthifizierung.

„Mein Kampf“ wurde weit mehr als 100.000 mal verkauft und in mehr als 10 Sprachen übersetzt, aber dennoch scheint dieses Buch wirklich niemand gelesen zu haben. Es ist also ausdrücklich zu begrüßen, dass sich nun jede*r mit den Inhalten des Buches beschäftigen kann. Hitler sagt in seinem 1925 veröffentlichten Buch bereits klar in welche Richtung die Reise gehen soll, allerdings in einer sprachlich mehr als mangelhaften Art und Weise. Es ist also kaum denkbar, dass sich jemand durch die 700 Seiten geistigen Dünnschiss quälen kann.

Natürlich wird es dazu kommen, dass alle rechtsradikalen Menschen dieses Buch ungehindert legal beschaffen können. Trotzdem glaube ich kaum, dass „Mein Kampf“ diese Menschen noch ideologisch beeinflussen kann. Die Fackelträger und Schreihälse auf ihren rechten Demonstrationen haben ihr rechtsradikales Weltbild schon zu sehr verinnerlicht, sodass „Mein Kampf“ auch nichts mehr ändern wird.

Ich versuche der bessere Nazi zu sein“, sagte Serdar Somuncu, welcher übrigens einer der Einzigen ist der „Mein Kampf“ öffentlich vortagen darf, einmal. Es ist von elementarer Bedeutung, dass man sich mit der schändlichen Ideologie, die durch „Mein Kampf“ verbreitet wird, detailiert auseinandersetzt und damit den neonarzistischen Menschen vorhalten kann, welch riesigen Unsinn Hitler geschrieben bzw. diktiert hat.

In welcher Art und Weise mein Kampf 2016 nun veröffentlicht wird, wird sich in den Diskussionen ergeben. Sowohl eine kommentierte als auch eine unkommentierte Ausgabe hat Vor- und Nachteile. Es wird also auch sehr darauf ankommen, in welcher Weise sich die Pädagoginnen und Pädagogen mit den Inhalten beschäftigen. Ich halte es für wichtig, dass alle Schüler*innen „Mein Kampf“ zumindest in Auszügen in den Schulen behandeln. Natürlich lohnt es sich nicht „Mein Kampf“ in der achten Klasse zu behandeln, wo die meisten bei dem Wort Jude zusammenzucken oder (leider) in kollektives Gelächter verfallen, sondern man muss dieses Buch in einem Rahmen behandeln in dem die Schüler*innen die geistigen Voraussetzungen dafür erfüllen.

Denn Eins ist wohl selbst bei erz Konservativen angekommen:

Rechte Ideologien lassen sich vor allem durch Bildung bekämpfen und „Mein Kampf“ ist dafür das beste und abschreckenste Beispiel zugleich.

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