Sexismus ist blau

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Januar 31, 2013 von JoS

Sucht man nach Positionen, die noch ein wenig reaktionärer sind, als jene, die man aus dem christdemokratischen Spektrum zu erwarten hat, lohnt es sich doch gelegentlich einmal bei Vertretern der Sozialdemokratie anzuklopfen. Denn zwischen BILD-Lektüre und Sarrazin-Apologetik gibt es noch viel Platz, um sich noch einmal zu anderen Themen zu äußern. Zum Beispiel Sexismus. Wobei dort das Problem ist, dass es selbigen offensichtlich überhaupt nicht gibt. Oder etwa doch?

Ich will an dieser Stelle nicht über Brüderle reden. Was der FDP-Politiker nach ein paar Gläschen Wein so vor sich hinlallt ist mir relativ egal und auch halte ich Stern-Redakteur*innen nicht grade für die seriöseste Sorte Mensch. Dennoch: Es gibt hier klare Verwechslungen in Sachen sozialer Beziehung.

Ich wollte hier eigentlich exemplarisch auf eine Facebook-Diskussion eingehen und anhand verschiedener Äußerungen Begründungsstrategien aufzeigen und versuchen ihre Probleme zu erörtern. Leider wurde diese Diskussion gelöscht, also alles aus dem Kopf und im Versuch, das Problem in möglichster breite darzustellen.

Begonnen hat das ganze Problem mit der Behauptung, Facebook selbst sei sexistisch, da es blaue Fonts benutze. Dazu sei zweierlei festgestellt: Erstens wird behauptet, es gäbe eine geschlechtergerechte Farbpassung. Ein semantisches: Mädchen sind rosa, Jungen sind blau. Hier entsteht eine soziale Zuschreibung und damit zuerst einmal eine Rollenzuschreibung, welche über das Geschlecht determiniert wird. Zweitens wird behauptet diese Passgenauigkeit habe sich durch alle Lebensbereiche zu ziehen. Das heißt wiederum, dass das Geschlecht alle späteren Entscheidungen determiniere. Das ist zwar nicht sexistisch, aber ziemlich dumm.

Des weiteren wurde erwähnt (im allgemeinen Clash auf das grüne Wohlstands-Gutmenschentum), dass man sich doch viel zu sehr um Äußerungen eines Rainer Brüderle kümmere und viel zu wenig um die wahren Momente sexueller Ausbeutung: Der Prostitution. Dazu gilt zu sagen: Wenn es sich um Zwangsprostitution handelt, brauchen wir nicht debattieren. Wenn es sich jedoch nicht darum handelt, dann diskutieren wir auf einer anderen Ebene. Dass ein Freier eine Prostituierte, geschlechterumgekehrt natürlich auch, auf ihre Funktion als Objekt sexueller Begierde reduziert, ist vollkommen unproblematisch. Dadurch wird lediglich die professionelle, geschäftliche Beziehung dargestellt.

Hiermit lässt sich sodann auch der Bogen zu dem wirklichen Problem der sexuellen Diskriminierung schlagen. Nämlich die Aufhebung der professionellen, geschäftlichen Beziehung. Diese besteht nämlich dann, wenn Politiker Vertreterinnen der Presse nicht ernstnehmen, weil sie Frauen sind. Wenn Aufstiegschancen verweigert werden, weil Mann sein Gegenüber nicht ernst nimmt, weil es eine Frau ist. Diese Probleme sind gemeint, wenn wir über Sexismus reden.

Was sich seitens vieler Männer in dieser Diskussion zeigt, erscheint mir eine gewisse Kastrationsangst zu sein. Sexismus ist auch eine Möglichkeit, sich eine Schutzhülle zu bauen, unverbindlich zu bleiben. Und damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Wir brauchen keine Diskussion darüber, ob die Missionarsstellung Frauen unterdrücke, One-Night-Stands ok sind oder wir in aller Öffentlichkeit Komplimente den Körper betreffend machen können. Diese Zeiten sind vorbei. Erstaunlicher Weise sind die Apologeten des Sexismus mit ihrer Ansicht von Feminismus auch bei Alice Schwarzer stehen geblieben. Und die ist genauso reaktionär.

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