Und diese Vorlesung wird Ihnen präsentiert von: …

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Februar 3, 2013 von marvster77

 „Und diese Vorlesung wird Ihnen präsentiert von: E.On – Ihren klimaneutralen Energieversorger“.

Was am Anfang wie ein schlechter Scherz klingt, kann bald durchaus Realität werden. Immer mehr Universitäten erhalten Geld für Renovierungen der Seminarräume oder der Hörsäle gegen eine Umbenennung eben dieser. An der Universität Mannheim gibt es 21 umbenannte Hörsäle. Plichtbewusst wurde dort ein Hörsaal „Saal der starken Marken“ genannt, nachdem mehr als 40 Unternehmen, u.a. die Deutsche Bank oder die Lufthansa, knapp 100000€ für die Renovierungen an die Universität bezahlt hatten. Die Universität Mannheim ist kein Einzelfall. So wurden auch an der FH Würzburg und an der Universität Augsburg Hörsäle zu Werbeträgern.

Die Umbenennung der Hörsäle ist allerdings nur die Spitze des Eisbergs. Immer mehr Universitäten richten Institute ein, die von der Privatwirtschaft finanziert werden. So existiert an der Universität Köln ein „Energiewissenschaftliches Institut“, welches von den Stromgiganten E.On und RWE finanziert wird. An der TU Darmstadt wurde eine Professur für Methode und Ästhetik gestiftet, vom Kosmetikhersteller Wella. Verwunderlich dabei ist, dass es sich um eine geisteswissenschaftliche Professur handelt.

Auch das Bundesministerium für Verteidigung vergibt mehrere Millionen Euro pro Jahr an deutsche Universitäten. Spitzenreiter sind die Deutsche Sporthochschule Köln mit 4,4 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2010 und die TU München mit 3,55 Millionen Euro im identischen Zeitraum. Insgesamt haben 48 verschiedene Universitäten zwischen den Jahren 2000 und 2010 Geld erhalten.

Bei den Mengen an Geld, die u.a von der Privatwirtschaft an die Universitäten fließen, muss man sich wirklich fragen, wie unabhängig die Bildung an den Hochschulen noch ist. Fakt ist nun mal auch, dass in den Hochschulräten der Universitäten immer mehr Vertreter*innen von Konzernen sitzen und dort am Senat und an den Studierenden vorbei, auf intransparente Art und Weise, Entscheidungen über die Zukunft der Universitäten treffen.

Ich denke, dass Hochschulen einen Bildungsraum darstellen sollten, in dem die Studierenden nicht mit Werbung zugebombt werden, sondern unabhängig und neutral studieren können. Privatwirtschaftliche Unternehmen und das Militär sollten keinen Einfluss auf Inhalte von Vorlesungen oder gar ganzen Studiengängen haben. Wissenschaft muss unabhängig bleiben!

Deshalb befürworte ich die Einführung von www.hochschulwatch.de, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, transparent darzustellen wo wirtschaftliche Interessen die Unabhängigkeit der Wissenschaft gefährden.

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