In Sachen Frei.Wild

Hinterlasse einen Kommentar

März 6, 2013 von JoS

Ich hätte es nicht gedacht, aber ich muss an dieser Stelle ein paar lobende Worte zur Band Kraftklub sagen. Diese haben nämlich, so schreibt die Band auf Facebook, ihr Label gebeten ihre Nominierung für den Echo „zurückzuziehen„. Der Grund: In der gleichen Kategorie sind die Rechtsrocker von Frei.Wild nominiert. Und in dieser Reihe möchten  Kraftklub nun wirklich nicht stehen. Mit den Toten Hosen, den Ärzten und Mia sind auch noch drei weitere, sich explizit antifaschistisch äußernde Bands, in selbiger Kategorie nominiert. Man darf also hoffen.

Die Debatte um Frei.Wild ist dabei ein interessantes Diskursphänomen. Konnten die Südtiroler während der Fußball Weltmeisterschaft 2010 noch auf der Fanmeile in Berlin spielen, so hat sie der Likörhersteller Jägermeister vom Billing des diesjährigen With Full Force geschossen. Die Band selbst, und mit ihr viele ihrer Fans, halten das für eine Medienhetze der linken „Gutmenschen-Presse“. Zu dieser Kategorie scheint jedoch alles links der Jungen Freiheit zu gehören, damit auch die FAZ und diverse Springerblätter.

Frei.Wild sind in dieser Frage allerdings kein neuartiges Phänomen. In den 90er Jahren gab es bereits eine Fernsehdebatte zum Thema Störkraft. Damals trat die Band noch selbst auf und lies sich unter anderem mit Rio Reiser ein. Auch die Bremer Band Kategorie C verursachte eine Debatte um ihre Texte. Der Bandname leitet sich dabei aus der polizeilichen Kategorisierung für Fußballfans ab.

Der Grund warum Bands wie Frei.Wild oder Kategorie C lange Zeit geduldet werden ist, dass sie nicht gegen den Meinungsmainstream verstoßen. Bei medialer Berichterstattung werden ihre Aussagen jedoch analytischer betrachtet und so mancher möchte sich nicht mehr damit identifizieren. Ähnlich verhielt es sich auch bei der Kampagne gegen das sogenannte „U-Bahn-Lied.“ Damals initiierten verschiedene Bundesligavereine eine Kampagne um den Gesang „Wir bauen eine U-Bahn von x bis nach Ausschwitz“ zu problematisieren – und fanden Zustimmung. Im nachhinein stellt sich dort die Frage, wer denn im Vorfeld noch gesungen haben möge.

Phänome wie die oben beschriebenen sind einfache Beispiele des bürgerlichen Rassismus und deren Deligimitation von selbigen ein Zeichen für dessen Anpassungsfähigkeit im Diskurs. Sie werden auftreten und wieder verschwinden, ohne, dass dass man sich dem Grundproblem genähert hätte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: