Daniel S. und die Aufschreiforderung

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März 14, 2013 von JoS

Endlich hat die radikale Rechte wieder einen Aufhänger zum Thema „Ausländergewalt“. Die „Junge Freiheit“ stilisiert sich erneut zur Verteidigerin Deutschlands, gegen den „Deutschenhass“ der in diesem Land lebenden Ausländern. Der von Kristina Schröder (CDU) geprägte Ausdruck ist der Versuch, soziale Probleme zu ignorieren und auf ethnische Konflikte abzuwälzen. Während einige jetzt wieder die Türen Ausschwitz‘ öffnen wollen, bemühen sich andere um Statistik. Der rechtsradikale Blog „Deutschlandlüge“ führt zum Beispiel eine Liste der von „Ausländern ermodeten Deutschen“ und kommt auf die schockierende Zahl von 109 in 15 Jahren.

Die Zahl klingt hoch, relativiert sich jedoch, wenn man die Liste genauer beschaut und mit anderen Statistiken abgleicht. Zum einen wird nicht zwischen den Straftatbeständen des Mordes, des Totschlags und der Körperverletzung mit Todesfolge unterschieden, andererseits werden Embryos mitgezählt. Auch erscheinen übermäßig viele Polizist*innen im Dienst in der Statistik. Zu guter letzt gibt es in den seltensten Fällen eine sogenannte deutschenfeindliche Motivlage. Selbst wenn man die alles herauslässt und die Statistik des Bundeskriminalamtes für 14 Jahre bemüht hilft das der Liste nicht. In einem ähnlich langen, sich sich großteils überschneidenden, Zeitraum wurden 26.270 Morde verurteilt. Oder anders gesagt: 0,4% aller Morde in Deutschland werden von Ausländern, wobei der Terminus hier auch nicht geklärt ist, an Deutschen begangen.

Man kann das Spiel noch bunter treiben und die Liste der verurteilen Totschläge und Tötungen auf Verlangen hinzuziehen. In den Jahren 1999 – 2011, also zwölf Jahren, waren dies 24.210. Diese Straftatbestände überschreiten in den meisten Fällen auch die Quoten der Mordfälle. Rechnet man, vollkommen willkürlich, die Hälfte davon runter (um die Tötungen auf Verlangen zu tilgen), so kommt man noch auf 12.105 Fälle. Addieren wir diese wieder zu unseren Morden und gleichen es mit der Liste der Deutschlandlüge ab kommen wir zu dem Ergebnis, dass 0,3% der begangenen Straftaten von Ausländern an Deutschen begangen wurden. Bei einem Ausländeranteil von 8,8% (2010) und einem Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund 19,5% (2011), also einer beobachteten Gruppe, die etwa 28,3% der deutschen Bevölkerung ausmachen, muss man also sagen, dass die Übergriffe von Ausländern auf Deutsche unterdurchschnittlich häufig ausfallen.

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