Den rassistischen Normalzustand überwinden

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April 25, 2013 von marvster77

Flughäfen sind das Tor zur Welt, sie repräsentieren das grenzenlose Reisen und sie bereiten Fernweh. Zumindest, wenn man auf der richtigen Seite steht.

Vorgestern, am 23.04.2013, kam es zu einer Sammelabschiebung vom Roma nach Serbien. Diese wurde von Air Berlin vom Düsseldorfer Flughafen aus unternommen. Für diese Menschen repräsentieren Flughäfen nicht Freiheit, sondern Angst. Sie werden in ein Nicht-EU-Land abschoben, in dem sie von rassistischen Diskriminierungen betroffen sind. Ihnen wird auf Grund einer ethnischen Zugehörigkeit der Zugang zur medizinischen Versorgung versagt und sie werden außerdem dazu gezwungen in Slums zu leben.

Die vorgestrige Abschiebung steht auch im Zusammenhang mit den rassistischen und antiziganistischen Äußerungen des Bundesinnenministers Friedrich. Dem ZDF Heute-Journal sagte er, dass Zuwanderer*innen nur noch Deutschland kommen, um Sozialleistungen zu bekommen. Ferner sagte er im Focus, dass „wenn ein solcher Betrug nachgewiesen werden kann, und das ist auch die Aufgabe der Behörden vor Ort, dann kann man die Ausreise dieser Personen verlangen“.

Friedrich bedient damit nur seine Klientelwählerschaft, die vor allem Fremden Angst hat und sich am liebsten ohne fremde Einflüsse leben will. Laut der Studie „Die Mitte im Umbruch“ der FES sind 24,7% der Deutschen ausländerfeindlich. Hier scheint Friedrich Stimmen vom braunen rechten Rand abgreifen zu wollen. Typisch ist, dass nicht erwähnt wird, dass durch ein Veto seiner Bundesregierung der Beitritt von Rumänien und Bulgarien zum Schengenraum verhindert wurde.

Konservative Politiker sind oft Ärzte, die anstatt den Nagel aus einem Knochen zu ziehen, lieber Schmerzmittel verschreiben. „Symptome statt Ursachen bekämpfen“ – wäre ein guter Wahlkampfslogan für die Union. Die Gründe für die Flucht der Menschen werden gerne übersehen. Deutschland und seine Industrie trägt mir seinen Waffenlieferungen und durch seine Ausbeutung von Arbeiter*innen dazu bei, dass Krisen entstehen und diese gewaltsam gelöst werden. Moral scheint egal, solange der Profit stimmt.

Bei der Demonstration gegen die Abschiebung am Dienstag fanden sich circa 50 Menschen im Terminal A/B zusammen, um ihre Solidarität mit den Menschen zu zeigen und den alltäglichen Rassismus anzuprangern. Jusos, Grüne Jugend, JuLis und JU waren nicht öffentlich anwesend. Nur Mitglieder der Partei „Die Linke“ zeigten sich öffentlich.

Zum Glück konnte der Demonstrationszug lautstark auf sich aufmerksam machen. Allerdings stieß diese Aktion nur in den seltensten Fällen auf Zustimmung und diese war zumeist bei „Nicht-Bio-Deutschen“ zu finden. Das Gros der Anwesenden schaute und hörte weg oder griff die Demonstrierenden lautstark an. „Halte eure Fresse“ war das netteste, dass sich die Demonstrant*innen gefallen lassen mussten.

Scheinbar manifestiert sich hier der kindliche Gedanke, dass etwas nicht existiert, wenn man es nicht sieht. „Wir haben nichts gewusst“ ist in Gedächtnis der Nation immer noch sehr verbreitet und schlichtweg gelogen. Wir sollten uns wirklich Gedanken machen, ob wir eine Gesellschaft sein wollen, die wegschaut, nicht eingreift und Menschen gefesselt in andere Länder deportieren lässt oder ob wir eine offene, herzliche, solidarische und liebende Gesellschaft sein wollen.

Ich für meinen Teil bevorzuge die zweite Alternative, weshalb es nötig ist, dass wir Rassismus und alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit anprangern und uns auch von Widerstand nicht einschüchtern oder brechen lassen.

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