Mein rechter, rechter Platz ist frei.

Hinterlasse einen Kommentar

April 30, 2013 von marvster77

Nachdem das Bundesverfassungsgericht Nachbesserungen bei der Platzvergabe zum NSU-Prozess in München gefordert hatte, ist nun endlich das Ergebnis des Losverfahrens veröffentlicht worden.

Losen an sich ist eigentlich die fairste Methode, die es gibt. Wenn man denn will, dass der Zufall entscheidet. Warum man das bei einem der öffentlichkeitswirksamsten Prozesse nicht anwenden sollte, zeigt die Medienliste beim Prozess. Hier finden sich die Brigitte, welche für ihren politischen und aufklärerischen Journalismus bekannt ist und natürlich ausführlichst das Geschehen rund um den NSU begleitet hat, und Al Jazeera, die in der Türkei das wichtigste Informationsportal der Türk*innen sind.

Keinen Platz haben auflageschwache Kleinstzeitungen wie die Frankfurter Rundschau, die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder Die Tageszeitung bekommen, welche nur auf der Zugspitze von Ur-Bayern gelesen werden. Hier hat also das Los auch sinnvoll entschieden.

Sarkasmus bei Seite.

Mit welcher Ignoranz gehen die Verantwortlichen des OLG München eigentlich an die Sache heran? Es ist schlicht und einfach nicht vorstellbar, dass die Verantwortlichen die Medienwelle und das riesige Interesse der Bevölkerung zum Thema „NSU“ nicht mitbekommen haben. Allein hier hätten sie schon aufschreien und nach einem größeren Gerichtssaal verlangen müssen. Da sie das nicht haben, hätten sie bei der Losung wenigstens auf die Relevanz der Medien achten können. Dass sowohl FAZ, FR und die TAZ fehlen, kann man schon als Skandal bezeichnen.

„Einsicht ist der erste Weg zur Besserung“ – lautet ein bekanntes Sprichwort. Der Präsident des OLG Münchens bezeichnete die Angriffe als „beispiellos“ und versucht sich als Geschädigter zu positionieren. Beispiellos ist viel eher die Tatsache, dass sich das Gericht vor den Augen der versammelten Weltpresse blamiert hat.

Die Bestrebungen der TAZ und der FAZ per Klage eine Videoübertragung in einen anderen Gerichtssaal zu erreichen, sind durchaus berechtigt. So kann man eine viel größere und ausdifferenziertere Medienberichterstattung vom NSU-Prozess gewährleisten. Einen Revisionsgrund für das spätere Urteil kann ich nicht erkennen, wenn die Videoübertragung in einen anderen Raum nur für Journalist*innen zugänglich ist.

Man hätte auch einfach einen neuen und größeren Gerichtssaal anbauen können. Bei der RAF wurde dies damals auch gemacht. Wenn rechts und links gleich schlimm sind, verlangt das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes den Neubau quasi.

Abschließend bleibt zu hoffen, dass sich die Angehörigen nicht noch mehr an der Nase herumgeführt fühlen. Denn ihre Situation wird in den Medien viel zu wenig dargestellt. Sie sind nämlich die wirklichen Opfer des Versagens des OLG und auch der Blindheit der deutschen Ermittlungsbehörden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: