Offener Brief an Erika Steinbach

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Mai 9, 2013 von JoS

Sehr geehrte Frau Steinbach,

liebe Erika,

ich sage einfach einmal Du zu Dir. Denn irgendwie waren wir ja Freunde. Ich weiß, nur bei Facebook, aber dennoch. Ich habe viel von Dir lernen dürfen. Zum Beispiel, dass die NSDAP eine linke Partei gewesen sei. Sie war ja NationalSOZIALISTISCH. Bisher dachte ich immer, dass die Nazis so blöd gewesen wären, dass sie nicht bemerkten, dass der Sozialismus eine internationale Bewegung sei. Aber nein, sie waren links. Das Nationale war wahrscheinlich nur den Wähler*innenstimmen geschuldet. Und eigentlich stimmt es ja auch: Alte Grenzen wurden abgeschafft. Da kann man die rassitischen und faschistischen Konzepte, welche den Holocaust ermöglichten, auch mal beiseite schieben.

Überhaupt habe ich viel über meine falschen Geschichtskentnisse gelernt. Deutsche Kriegsschuld? Mal langsam, sagtest du. Die Polen haben ihre Panzer doch viel eher bewegt. Und auch der Führer sagte doch, es würde zurückgeschossen. Was hat mir dieses 68-er durchsetzte Bildungssysten da bloß eingebleut? Wärest du nicht, ich dächte immer noch, die Vertriebenverbände wären ein paar rechte Spinner, welche auf Grundlage überkommender Nationalideen völkerrechtswidrig erworbene Gebiete und Eigentumsverhältnisse zurückforderten. Ich mein, du hast schon Recht, was können die Leute denn dafür, dass sie Kriegsbeute erhielten? Sollen sich diese blöden Enteigneten mal nicht so anstellen. Die haben doch jetzt auch Israel.

Überhaupt habe ich viel über Rassismus gelernt. Deutschland bekommt eine Rüge seitens des Antirassismusausschusses? Nur weil hier niemand ein rechtliches Problem darin sieht, dass Sarrazin grundsätzlich alle Migranten, die irgendwie aus dem türkischen, arabischen oder persischen Raum stammen als Samenkanonen bezeichnet, die nur Kopftuchmädchen erzeugen? Du hast schon recht. Was sollen wir überhaupt mit diesen ganzen Gemüsehändlern? Es gibt doch Fast-Food-Restaurants und Fertigpizzen! Wer braucht denn heute noch Gemüse?

Du hast immer tapfer deine Linie gehalten. Gegen die Oder-Neiße-Grenze gestimmt – natürlich nur aus formalen Gründen – und Christen vor so einem Muselmanenmob beschützt, der meint, er müsse einen Diktator stürzen. Als ob es mit diesen werten Herren jemals Probleme gegeben hätte. Niemals hätte deine Partei dann Waffen dahin geliefert. Du hast das immer verteidigt; mit aller diskursiven Macht, die einer Menschenrechtsbeauftragten zugerechnet werden kann. Ok, in Libyen lief das vielleicht nicht ganz so gut. Aber ansonsten?

Liebe Erika, ich will noch viel mehr von Dir lernen. Was mit deinem Erlöser ist und der dreieinigen Mülltrennung. Nimm mich wieder zurück unter deine Fittiche!

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