Ein bisschen Prohibition

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Mai 12, 2013 von JoS

Es ist Samstag, der 11.05.2013, und es ist ein besonderer Tag. Es ist nämlich der Tag meines ersten Kneipenbesuches nach Einführung des generellen und totalen Rauchverbots in geschlossenen Räumen – abgesehen von Raucherräumen in Gerichten und bei Friseuren. Wie war er also, dieser erste Tag ohne Zigarette in der Kneipe und was hat das alles mit dem sagenumwobenen Nichtraucherschutz zu tun?

Eines lässt sich klar feststellen: Die Wirt*innen wissen noch nicht ganz mit dem neuen Gesetz umzugehen. Ankunft an der Kneipentür gegen 22:00 Uhr, noch eine Zigarette vor Kneipeneintritt. Fühlt sich so an, als wollte man nochmal schnell einen Film schauen, bevor man ins Kino geht. Die Wirtin will den kleinen Stehtisch reintragen, überlegt es sich dann doch anders und verweist darauf, dass ab 22:00 Uhr keine Getränke mit rausgenommen werden dürfen. Also Bier und Zigarette ist heute nicht.

Gespräche über Foucault, Nietzsche, Hermeneutik und Genealogie. Bier austrinken, vor die Tür, Eine rauchen. Netter Weise steht das neue Bier schon auf dem Tisch, als wir zurückkommen. Billiard, Kicker – 1:1 im Kneipendreikampf. Noch eine Zigarette vor der entscheidenden Dartrunde (Nach formalen Fehler quasi auf dem grünen Tisch verloren). Inzwischen sucht man die Wirtin nicht mehr ausschließlich hinter dem Tresen, sondern auch mal vor der Tür. Eine rauchen. Aber es sind zumeist eh die Hälfte der Gäste vor der Tür.

Gespräche bei Bier und entsprechend ohne Zigarette über das Rauchverbot. Auch die Nichtraucher*innen sind genervt. Eines steht fest: Das Verbot ist ein repressives Gesetz, und zwar ein offen repressives. Das Euphem „Nichtraucherschutzgesetz“ funktioniert nicht. Generell wird das Verbot als solches wahrgenommen. Als Verbot, dass niemanden vor Fremdschaden schützt. Die Grünen waren einst einmal angetreten um die Bundesrepublik zu revolutionieren und von den autoritären Strukturen der Adenauer-Ära zu befreien. Inzwischen ist die Partei die reaktionärste und autoritärste Partei von Bedeutung. Sie hat alle libertären Ideen hinter sich gelassen und glaubt an eine Staatskontrolle, die nahezu stalinistische Züge annimmt.

Bei den Grünen – das Rauchverbot ist nur ein Zeichen davon – geht es nicht um Aufklärung. Die ist ihnen zu anstrengend geworden. Lieber regelt man in das Leben der Menschen herein. Wahrscheinlich, weil man selbst aufgehört hat zu fragen, ob denn alles so richtig sei, was man da tut. Viele Ziele der Grünen teile ich durchaus, ihre Methode nicht. Die Grünen sind zu einer totalen und eindimensionalen Partei geworden und passen damit perfekt in unsere eindimensionale Gesellschaftsordnung.

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