Friedenscup- der Cup der guten Hoffnungen

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Mai 31, 2013 von marvster77

 

11.09.2001, 8:46 Uhr, New York. Ein Flugzeug fliegt in den Nordturm des World Trade Centers. Wenig später folgt ein weiteres. Ferner wird auch das Pentagon von einem Flugzeug getroffen und das letzte Flugzeug verfehlte sein Ziel, da es in Shanksville abstürzte. Dieser Anschlag hat mit seinen 3000 Toten die ganze Welt beeinflusst und nachhaltig verändert.

Als Folge dessen kam es in Wedel, einen 32000 Einwohner*innen starken Vorort von Hamburg, zu einem gemeinsamen Gebet von Christ*innen und Muslim*innen in einer Kirche, an dem beide Imame der Mosche in Wedel teilnahmen. Dies kann man mit Fug und Recht als einen Wendepunkt des jungen Semih Ardil Inak sehen, denn dieses Gebet beeinflusste ihn so stark, dass er einen selbstgeschrieben Brief an den damaligen Bürgermeister von Wedel schrieb. Dieser Brief hatte zur Folge, dass des Benefiz-Fußballtuniers „Friedenscup“. 2001 kickten „nur“ 6-Teams für den Frieden. Damals konnte niemand ahnen wie sich der Friedenscup entwickeln würde, denn er war nur als einmaliges Turnier gedacht.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2013 und seit 2001 hat sich einiges getan. Der Friedenscup war mit 20 teilnehmenden Teams so groß wie noch nie. Bis zum 6. Friedenscup nahmen nur Teams aus Wedel bzw. aus dem Kreis Pinneberg und Hamburg teil. Dieses Jahr waren alle Bundesländer bis auf Baden-Württemberg vertreten. Ein Team machte sich sogar aus dem weit entfernten Österreich auf den Weg nach Wedel. Insgesamt hatte der Cup, welcher dieses Jahr unter dem Motto „der Cup der guten Hoffnungen stand“, knapp 250 Teilnehmer*innen und viele Besucher*innen, welches die Steinberghalle aus allen Nähten platzen lies.

Nicht nur personell wurde der Friedenscup immer größer, er fand auch immer mehr (über)regionale Anerkennung. So erhielt Semih Inak im Jahre 2008 für sein Engagement für den Frieden die Ehrennadel der Stadt Wedel und vier Jahre später erhielt er stellvertretend für alle Organisator*innen den Integrationspreis des Landes Schleswig-Holstein, welcher mit 2500€ dotiert war. Und dies sind nur zwei Preise, die der Friedenscup gewann.

Der Friedenscup startete dieses Jahr mit dem traditionellen friedenspolitischen „Come Together“. Dort fanden sich alle Teilnehmer*innen in der Aula der Ernst-Balach-Gesamtschule zusammen. Das Programm bot Unterhaltung für jeden Geschmack. So gab es türkisch/kurdischen Gesang mit Saz, deutschsprachigen Rap, Impro-Theater oder Poetry-Slam. Auch der politische Teil kam nicht zu kurz. So durfte sich sowohl der „Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus Wedel“ als auch die Krefelder „Save-me Kampagne“, welche sich für Flüchtlinge einsetzt und mit dem Save-me Cup, ein durch den Friedenscup inspiriertes Fußballtunier, veranstalteten, vorstellen.

Beim Come Together wurde auch das Hauptspendenziel vorgestellt. In diesem Jahr gehen die Spenden an das Oberhausener Friedensdorf, welches sich um schwerverletzte Kinder kümmert, die in ihrer Heimat keine bzw. keine adäquate medizinische Versorgung erhalten können. Dabei ist das Friedensdorf zu fast 100% aus Spenden finanziert und auch auf weitere Hilfe angewiesen. So werden die Kinder in Deutschland von den Krankenhäusern und Ärzten kostenlos versorgt und der Düsseldorfer Flughafen erlässt den gecharterten Flugzeugen die Start- und Landegebühren.

Als Abschluss des Abends fand eine „Jugendfriedensdemonstration“ statt. Diese zog von der Aula bis zum KZ-Gedenkstein in Wedel, da sich in Wedel ein Außenlager des KZ Neuengamme befand. Diese Demonstration wurde als Gedenkmarsch angekündet, weshalb es neben den Transpis mit Aufschriften wie „Kein Mensch ist illegal“ oder „Nie wieder Krieg, Nie wieder Faschismus!“ keine Parolen gab. Die beiden anwesenden Polizist*innen waren bei der Anzahl von 250 Jugendlichen zu Beginn sehr nervös, allerdings legte sich die Nervosität schnell, da es keinerlei Vorfälle gab.

Am nächsten Tag ging es schon um 9 Uhr morgens mit dem fußballerischen Teil des Friedenscups los. Weder der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein noch der Bürgermeister der Stadt Wedel ließen es sich nehmen den 13. Friedenscup symbolisch „anzukicken“. An diesem Tag gab es alle Vorrundenspiele und je ein Vorentscheidungsspiel für alle Mannschaften. Die Spiele dauerten 8 bzw. 10 Minuten und wurden mit Hallenregeln ausgetragen. Besonders zu erwähnen ist die Frauenquote in den Teams. Es musste immer mindestens eine Frau auf dem Spielfeld sein, welches dem Friedensgedanken gut widerspiegelt, denn nicht der erste Platz ist der wirkliche Sieger des Friedenscups, sondern das fairste Team!

Parallel zum Spielbetrieb führte die DKMS (Deutsche Knochenmarkspendendatei) für die drei Geschwister Kader, Sibel und Mustafa durch, die alle an der „Mittelmeeranämie“ erkrankt sind und dringend eine Knochenmarkspende für ihre Heilung benötigen. Das Problem dabei ist, dass bio-deutsche Genmerkmale nur sehr selten für eine Spende zur Heilung der Mittelmeeranämie geeignet sind. Deshalb sucht die DKMS dringend nach Migrant*innen aus dem Mittelmeerraum. Insgesamt ließen nicht über 200 Menschen bei der DKMS registrieren und durch den Verkauf von Lebensmitteln konnten der DKMS 1000€ gespendet werden.

Am Abend stand dann ein gemeinsames Ausklingen des Abends mit Rudelgucken eines Fußballfinals an. Dort spielten eine Mannschaft in rot-weiß gegen eine Mannschaft in schwarz-gelb und den Gerüchten zu Folge soll die Erstgenannte verdient gewonnen haben.

Angesichts des Friedenscups kam das wahre Finale erst am letzten Tag. Am Sonntag ging es sogar noch früher los, da alle Teilnehmer*innen noch die Möglichkeit haben sollten nach Hause zu kommen. Am Sonntag standen also nochmal zwei Spiele pro Mannschaft an in denen es um die Platzierung ging. Im Finale setzte sich das Team „A.R.i.F – Arif Ruhe in Frieden“ im Siebenmeterschießen durch. Der Moment des Sieges war zur viele Anwesende einer der Emotionalsten in ihrem Leben, denn dieses Team spielte für Arif, welcher zwei Tage vor dem zweiten Friedenscup bei einem Autounfall gestorben ist. Zum 10 jährigen Todestag von Arif wollten die Freund*innen von Arif ein akzeptables Ergebnis für ihren Freund erzielen. Und dies haben sie mehr als geschafft. So sah man nach dem entscheidenden Siebenmeter nicht nur Tränen bei den Freund*innen und den Familienangehörigen Arifs.

In den nächsten Wochen werden auf Facebook alle Fotos und Videos vom Friedenscup veröffentlicht und es wird eine Gewinnspielaktion geben. Ich möchte mich hier nochmal bei allen Teilnehmer*innen, Helfer*innen, Besucher*innen und Organisator*innen bedanken, die dieses unvergessliche Wochenende erst ermöglicht haben. Ich freue mich schon auf den 14. Friedenscup, an dem ich selbstverständlich teilnehmen werde!

Bis dann, es war unvergesslich mit euch!

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