Offener Brief an Jasper von Altenbockum

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Juni 3, 2013 von JoS

Jasper von Altenbockum, neben Daniel Deckers wohl der Frontkoservative der FAZ, hat sich in einem Kommentar zu den Ausschreitungen in Frankfurt geäußert. Einem Kommentar, der meiner Meinung nach einer Antwort bedarf.

Sehr geehrter Herr Dr. von Altenbockum,

in ihrem Kommentar „Blockupisten wollen etwas anderes“ nahmen Sie am gestrigen Sonntag die polizeilichen Einsatzkräfte vor Ort und überhaupt in Schutz. Sie schreiben dort, dass der Polizei ihr Einsatzverhalten, komme was wolle, vorgehalten würde. Entweder tue sie zu wenig – oder eben zu viel. Wie jetzt in Frankfurt, wie Sie anmerken.

Ihre Kritik dagegen richten Sie auf den sogenannten Schwarzen Block. Sie sprechen davon, dass auf den Frankfurter Straßen die „Vermummungsutensilien „autonomer“ Fanatiker“ zurückblieben und stellen sodann, zumindest in Klammern, eine interessante Frage: „Wozu brauchen sie die?“. Eine berechtigte Frage. Warum meinen Demonstrant*innen, dass sie sich Vermummen müssten? Das hängt sehr stark mit polizeilicher Überwachung zusammen, mit dem Abphotographieren und -filmen von Demonstrantionsteilnehmer*innen.

Noch schlimmer ist es auf Neonazi-Gegenkundgebungen. Dort filmen und photographieren, ungehindert von der Polizei, Neofaschist*innen ihre Gegner ab. Hausbesuche können durchaus die Folge sein. Herr Dr. von Altenbockum, Sie müssen sich in diesem Kontext immer dessen bewusst sein, dass es in Deutschland nach wie vor vollkommen normal ist, dass Rechtsradikale Antifaschist*innen überfallen – unbehelligt von den Behörden. Diese Überfälle gelten nicht einmal als politisch motiviert.

Ein weiteres Argument gegen die Vermummung ist der agressive Pfeffersprayeinsatz seitens der Polizei. Dieser hat in den letztem Jahren massiv zugenommen und sorgt im Bereich Fußball sogar für eine kleine statistische Kuriosität. Während die Einsatzstunden zurückgehen, steigt die Zahl der Verletzten. Durch Pfefferspray, eingesetzt von Polizist*innen.

Und wo wir schon bei der Frage nach der Vermummung sind. Warum müssen Polizist*innen eigentlich unkenntlich sein. Sie tragen Atemschutz und volle Rüstungen. Eine Polizei, die so auftritt, delegitimiert das Anliegen einer Demonstration schon durch ihre reine Präsenz. Helme und gezogene Schlagstöcke sagen nur eins: Dies sind Gewalttäter, haltet Euch von denen fern!

Ihre anderen Fragen sind auch leicht zu beantworten. „Was wollen die Demonstranten im Frankfurter Flughafen?“, fragen sie zum Beispiel. Sie weisen dort auf die deutsche und generell deutsche Abschiebepraxis hin. Sofern sie dort, wie es mir erscheint, ein wenig Nachhilfe brauchen, so verweise ich Sie auf den wunderbaren Artikel „Verdammte dieser Erde“ ihres Kollegen Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung. Warum die EZB? Weil sie ein zentraler Anlaufpunkt ist, der für alle Regierungen steht. Die EZB ist politisch, sie agiert politisch.

Und wenn es um die Frage geht, wessen Anliegen legitim ist und wer wie auftritt, so verweise ich sie gerne auf ihr eigenes Blatt. Auf das Photo, welches die Geschehenisse in Frankfurt wohl am Besten beschreibt:

Blockupy in einem Bild

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11 Kommentare zu “Offener Brief an Jasper von Altenbockum

  1. Verehrte Website-Betreiber,

    Ihre Argumente für Vermummung leuchten zwar oberflächlich ein, treffen aber nicht den Kern der Sache. Denn dieser besteht darin, daß ein „linkes“, in Wirklichkeit weitgehend unpolitisches, Gewaltpotential politisch instrumentalisiert wird, seit Jahr und Tag! Die Ablehnung der zur Überfremdung in jeder Hinsicht führenden Globalisierung und ihres Eisbrechers – und Motors zugleich-, des national wie regional und zugleich realwirtschaftlich entkoppelten Finanzkapitals, ist heute ohnehin in großen Teilen der Bevölkerung verankert. Ihre Motivation ist logischerweise nicht ein Verlangen nach noch mehr Internationalisierung oder „internationaler Solidarität“, sondern umgekehrt nach mehr GESELLSCHAFTLICHER, soziokulturell und sozioökonomisch vernetzter Solidarität, also nach Wir-Gefühl und Solidarität auf den regionalen und nationalen Ebenen, in den Dimensionen, die vom Menschen (abstrakt gesprochen) mit seiner ihm innewohnenden sozialen Antenne wahrgenommen werden können. –

    Können Sie sich vorstellen, wie dankbar die Protagonisten des herrschenden internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems sind, daß sie sich nicht mit dieser latenten Grundstimmung in der Bevölkerung oder gar mit ihrer Destillierung zu einer neuen, überlegenen politischen Ökonomie befassen müssen, sondern sich darauf beschränken können, ihre empörte Ablehnung von Gewaltorgien zur Schau zu stellen?

    Ich kann Ihnen auch nicht den Hinweis ersparen, daß diese politische Instrumentalisierung der Gewalt ihre Wurzeln im sogenannten Kampf gegen rechts hat, dem Hauptanliegen der heute herrschenden Interessenträger. Denn für diesen Kampf ist das „linke“ Gewaltpotential UNERLÄSSLICH. Es wird hierzu von der etablierten Politik, Polizei, Verfassungsschutz etc. systematisch instrumentalisiert, wie ebenso theoretisch/systemisch nachvollziehbar wie anhand von unzähligen praktischen Beispielen mit an Gewißheit grenzender Wahrscheinlichkeit empirisch feststellbar ist.

    Wenn etwas im Artikel von Herrn von Altenbockum wirklich einer Erwiderung bedarf, so ist es sein völlig deplacierter Seitenhieb gegen die an den Ausschreitungen in Frankfurt gänzlich unbeteiligte NPD. Ich schrieb deswegen zur Onlineversion des Artikels folgenden Kommentar:

    <>

    Dreimal dürfen Sie raten, ob dieser Kommentar freigeschaltet wurde. Selbstverständlich nicht! Statt dessen erhielt ich auf Nachfrage immerhin folgende Antwort: „Sehr geehrter Herr Aae, ich habe mit unserem Team gesprochen, das die Leserkommentare moderiert. Ihr Kommentar wurde nicht veröffentlicht, weil er in einigen Punkten nicht unseren Regeln für Leserkommentare entspricht. Wir haben Ihren Kommentar direkt an den Autor, Herrn Altenbockum, weitergeleitet, damit er ggf. direkt auf Ihre Meinungsäußerung reagieren kann.“

    Ja, der Öffentlichkeit muß eine solche Meinungsäußerung natürlich unbedingt vorenthalten werden. IHRE Argumente für Vermummung etc. hätten aber höchstwahrscheinlich keine Probleme, freigeschaltet zu werden, zumal sie geeignet sind, Ihre „Unverbesserlichkeit“ vorzuführen und Sie auf unterstem Niveau und an der Sache vorbei fertig zu machen.

    Ich wünsche Ihnen noch ein schönes Wochenende mit viel Nachdenklichkeit.

    PER LENNART AAE

  2. Leider ist mein Leserkommentar für die Online-Ausgabe der FAZ aus dem gerade an Sie gesendeten Text herausgefallen, wahrscheinlich wg. der von mir verwendeten Zitationszeichen. Hier ist er aber:

    Sehr geehrter Herr von Altenbockum,
    Ihr letzter Absatz ist harter Tabak – aber nicht für die Linkspartei, sondern für die NPD! Denn wann hat diese Partei auch nur im entferntesten Gewaltorgien befürwortet oder gar organisiert? Ich bin seit 36 Jahren NPD-Mitglied und war auch Mitglied verschiedener Vorstände, einschließlich des Parteivorstandes. Zur Zeit bin ich Stadt- und Kreisrat der NPD in Görlitz. Vor diesem Hintergrund kann ich Ihnen jederzeit mein Ehrenwort geben, daß das nie der Fall war, schon gar nicht von höchster Ebene ausgehend. Meines Wissens ist auch von keiner einzigen NPD-Demonstration Gewalt ausgegangen. Umgekehrt werden aber NPD-Veranstaltungen häufig brutalen Angriffen ausgesetzt, teilweise unter den Augen von Polizei und Staatsanwaltschaft, was ich als Betroffener bestätigen kann, auch unter Eid, wenn es sein müßte.
    Eine Gewissensfrage: Wie stellen Sie sich bei solchen Praktiken auf allen Ebenen eigentlich ein faires NPD-Verbotsverfahren vor?
    PER LENNART AAE

  3. Per Lennart Aae sagt:

    Wie ich befürchtet habe, haben Sie weder den Mut noch den Anstand, meinen Beitrag zu veröffentlichen. Wahrscheinlich fällt Ihnen keine gute Antwort darauf ein, weil Sie wissen, daß ich recht habe. Dann sollten Sie aber lieber Ihre Position überdenken, statt feige zu kneifen. Das müßte Ihnen doch etwas leichter fallen als den gekauften Redakteuren bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die von ihrem Arbeitgeber, dem Medienkonzern, abhängig sind. Oder haben Sie Angst um Ihre staatlichen Fördermittel?
    Sie tun mir leid!
    PER LENNART AAE

    • JoS sagt:

      Lieber Herr Aae,
      im Gegensatz zu neonazisischen Organisationen erhalte ich leider keinerlei Fördermittel und bin, man mag es kaum glauben, als Privatperson auch hin und wieder mehrere Tage nicht damit beschäftigt, Moderationsarbeiten zu übernehmen. Aber immerhin gab dies ihnen nochmal die Möglichkeit, das pegidistische Lügenpresse-‚Argument‘ zu artikulieren; welches recht exemplarisch für ihre Ausführungen steht. Vielen Dank nochmal für ihr Mitleid, auch wenn mir nicht ganz bewusst ist, womit ich es verdiene.

      • Per Lennart Aae sagt:

        Sie gehören im Gegensatz zu FAZ nicht zur Presse, also auch nicht zur Lügenpresse, Daß es letztere gibt, wissen Sie aber genausogut wie ich. Aber Sie sind – mit Verlaub – ein „nützlicher Idiot“, „Idiot“ natürlich nur im Kontext des geflügelten Wortes. Ob „neonazistische“ Organisationen Fördermittel erhalten, weiß ich nicht, bezweifle es aber. Meine Partei, falls Sie diese fälschlicherweise darunter subsumieren sollten, ganz sicher nicht! Daß es VS-Filialen gibt, wie den seinerzeitigen „Thüringer Heimatschutz“, die indirekt – eben über den schwerkriminellen VS-Inlandsgeheimdienst – subventioniert wurden bzw. werden, ist völlig klar, ebenso wie die Tatsache, daß die deutsche Polizei mittels krimineller Undercoveragenten ahnungslose junge Leute zu „neonazistischen“ Straftaten anstiftet. Letzteres ist gerichtsnotorisch und somit NACHWEISBAR! Was glauben Sie wohl, welchem Zweck das dient? Ausschließlich einem, nämlich: SICH DER GEISTIGEN AUSEINANDERSETZUNG ZU ENTZIEHEN, die man nur verlieren kann. Wenn man die Macht hat, muß man eben keine unkalkulierbaren Risiken eingehen, besonders dann nicht, wenn die ganze Nachkriegsordnung auf dem Spiel steht.
        Aber „man“ wird die Auseinandersetzung trotzdem verlieren, die geistige wie auch die politische, auch wenn es der heutige Ottonormalbürger in der BLÖD-Zeitungsrepublik BRD nicht vermuten mag. Die Weichen sind aber ganz sicher so gestellt, sicherer als je zuvor.
        PER LENNART AAE

      • JoS sagt:

        Es it merkwürdig sich so über die BILD-Zeitung zu echauffieren, wenn das eigene Wahlprogramm aus den Schlagzeilen eben jener besteht. Von einer Lügenpresse ist mir allerdings nichts bekannt.

      • Per Lennart Aae sagt:

        Das Wahlprogramm meiner Partei, der NPD, ist die konsequenteste Ablehnung der turbokapitalistischen Globalisierung, des Ausverkaufs von demokratischer Selbstbestimmung (die nur nationalstaatlich sein KANN), der EU-Gleichschaltung mit einhergehendem sozioökonomischem Staubsaugereffekt in vielen Ländern und Regionen UND der volksfeindlichen Überfremdung. Alle diese Entwicklungen sind von der BLÖD-Zeitung seit jeher grundsätzlich UNTERSTÜTZT worden … um von der abgründigen Hetze gegen meine Partei gar nicht zu reden. – Wenn Sie meinen, wir hätten ausgerechnet von diesem Hetzorgan unser Programm abgeschrieben, machen Sie mich aber sehr betroffen, gelinde gesagt.
        PER LENNART AAE

      • JoS sagt:

        Nationalstaatlichkeit und demokratische Selbstbestimmung schließen sich, so würde ich behaupten, immer aus. Und strukturell rassistsche und nationalistische Argumente, so wie sie ihre Partei vertritt, sind die Grundlage des Bildjournalismus. Ich verweise Sie dazu auf die entsprechende wissenschaftliche Literatur und diesen Kommentar: https://dannlinks.wordpress.com/2015/03/12/faule-griechen-oder-warum-opa-so-geil-war/

      • Per Lennart Aae sagt:

        Demokratische Selbstbestimmung eines Kollektivs beruht auf dem Gemeinschaftsbewußtsein und damit auf den gemeinsamen soziokulturellen Merkmalen dieses Kollektivs. Ich denke, daß ist in der Tat wissenschaftlich klar, anthropologisch wie auch kulturgeschichtlich. Und es ergibt sich auch aus ganz unwissenschaftlichen Überlegungen unter Zuhilfenahme des gesunden Menschenverstandes. Denn je mehr uns verbindet, insbesondere in kultureller Hinsicht, umso größer ist die Konsensfähigkeit und umso besser sind die Voraussetzungen für gemeinsame Lösungen, für Kompromisse etc. Will man aber die demokratische Selbstbestimmung zugunsten etwa einer imperialen Herrschaft aushebeln, kann man nichts besseres tun, als eben diese Gemeinschaftsmerkmale zu unterdrücken oder – besser – auszulöschen. Schauen Sie sich die Geschichte und auch die Gegenwart an, dann werden Sie es erkennen.
        PER LENNART AAE

      • JoS sagt:

        Ich würde Ihnen die, auch im vorgeschlagenen, Gedanken von Emma Goldman hinweisen. Davon ab verbindet mich mit diesem Staat und der hiesigen Bevölkerung recht wenig. Mit vielen Nichtdeutschen hingegen sehr viel.

      • Per Lennart Aae sagt:

        Wenn Sie sich mit der hiesigen Bevölkerung und mit dem Staat (idealtypisch gesehen) wenig verbindet, können Sie auch wenig zur hiesigen demokratischen Selbstbestimmung beitragen. Leider trifft das nicht nur für Sie, sondern für viele im heutigen Deutschland zu. Ich gehöre zu denen, die so naiv sind, zu glauben, daß sie daran etwas ändern können. – Übrigens möchte ich Ihnen danken, daß Sie geantwortet haben. Ich muß jetzt mit meinem Hund Gassi gehen (Kein Schäferhund! 🙂
        … Würde aber gerne bei anderer Gelegenheit das Gespräch fortsetzen.
        PER LENNART AAE

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