Die rassistische Heteronormativität der Erika S.

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Juni 13, 2013 von JoS

In den öffentlich-rechtlichen Sendern ist man aktuell offensichtlich bemüht dem Fernsehpublikum einmal den wirklichen Abschaum dieser Gesellschaft vorzuführen. Nachdem Martin Lohman gleich zwei Mal erklären durfte, warum denn auch Kinder, die in Vergewaltigungen gezeugt werden ein Geschenk Gottes sind – die Wege des Herrn sind bekanntlich unergründlich – und das Sexualität doch bitte nur der Reproduktion dienen dürfe, saßen gestern bei Anne Will gleich zwei äußerst widerliche Gestalten im Studio.

Zum einen war dies die Volksverhetzungs-, äh, Menschenrechtsbeaufragte der CDU, Erika Steinbach, und zum anderen Hedwig von Beverfoerde, die Sprecherin der Initiative Familenschutz. Das führte soweit, dass ich mich mit einem FDP-Politiker und einem Christen solidarisch fühlen musste. Denn was Steinbach und von Beverfoerde artikulierten war nicht nur dumm, es war schlichtweg abstoßend.

Zum einen galt da die ökonomische Argumentation: Der Staat fördert halt nur was ihm nützt. Homosexuelle Paare kriegen keine Kinder, also kein Ehegattensplitting. Das Frau Steinbach nicht noch für ein Mutterkreuz appelierte und die Devise ein Kind für den Führer – pardon! – die Kanzlerin, ausrief war alles. Ansonsten fühlte man sich generell sehr stark an die Bevölkerungspolitik der NS-Zeit erinnert. Frau Steinbach scheint dort immer noch sehr gefangen zu sein.

Zum anderen Frau von Beverfoerde. Sie unterstellte dem anwesenden Betroffen, einem Kind zweier lesbischer Mütter, einfach mal ein Stockholmsyndrom, weil er meinte, er habe eine glücklich Kindheit gehabt. Natürlich fiel das Wort nicht, aber ihr Rumgestotter  davon, dass Kinder sich immer vor ihrer Eltern stellen, wegen einer gewissen Loyalität, lief eigentlich auf nichts anderes hinaus. Das kann eben nicht sein, was nicht sein darf. Glückliche Kinder in homosexuellen Partnerschaften? Das gibt es eben nicht.

Überhaupt: Seitens der beiden CDU-Politikerinnen wurde die Reproduktionskeule geschwungen und damit sagten sie eigentlich, ähnlich wie Herr Lohmann, sehr viel über ihr Eheleben.

Interessant auch der Einwand, warum es eine Unterscheidung zwischen einer Ehe und einer eingetragenen Lebenspartnerschaft geben soll, liege an der Monogamie. Homosexuelle vögeln offensichtlich sehr viel rum, Heteros dagegen sind treu. Dass 1/3 aller Ehen geschieden werden und die Mehrheit der Heterosexuellen schon einmal in einer monogamen Beziehung einen Seitensprung hatte, vergaß man zu erwähnen. Dass eine Ehe überhaupt auf Monogamie basieren muss steht auch nirgendwo geschrieben.

Und überhaupt, dieser Ehebegriff. Die beiden Frauen auf den Sesseln taten immer so, als sei er vom Himmel gefallen und damit ausdefiniert. Es erinnert an den massiven Widerstand der CDU, die Vergewaltigung in der Ehe strafbar zu machen. Auch das hat den Ehebegriff stark verändert. Die wenigsten, von Lohmann und Kameraden einmal abgesehen, würden sich jedoch heute noch ins Fernsehen stellen und behaupten, eine Frau müsse man eben notfalls zum Geschlechtsverkehr zwingen, wenn sie dies nicht wolle. So sei das eben mit den Pflichten in der Ehe.

Ein weiterer Begriff, der immer wieder fiel, war der der Familie. Eine Familie, so eine Allensbachumfrage, verstünden 97% der Deutschen als eine Ehe mit Kindern. Das nehmen die Konservativen als Vorwand um gegen die Homoehe zu agieren. Man kann es aber auch andersherum sehen: Damit homosexuelle Partnerschaften mit Kindern endlich als vollwertige Familie gelten können, muss man den Begriff der Ehe auch auf sie erweitern.

Das Verantwortungskostellationen in einer aufgeklärten Gesellschaft anders funktionieren als im heimischen CSU-Dorf mit autoritären und patriachialen Strukturen dürfte den meisten klar sein. Das Gezeter um die Homoehe schadet der Anerkennung vielfältigster Formen des Zusammenlebens nur. Es gibt nicht nur, wie man seitens der CSU auch gerne behauptet, Männer und Frauen, sondern auch geschlechtsunspezifische Formen. Es gibt genauso offene, wie monogame Beziehungsformen, mono- und polyamoröse. Die Rückzugsgefechte der Konservativen, in denen eine heterosexuelle Familie immer besser ist als eine homosexuelle, scheinen die Angst geschuldet zu sein, die letzte Rechtfertigung für ein unerträgliches Eheleben zu verlieren. Das zentrale Motiv, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, in dem Menschen dazu animiert werden Verantwortung füreinander zu übernehmen, kann in jeder Lebensform genauso funktionieren, wie es in jeder Lebensform scheitern kann.

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