Der Verfall der akademischen Sitten – 3.Teil: Die Wahlen

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Juni 15, 2013 von JoS

Ich bin müde, habe ein latentes Hochgefühl und bin auch ein wenig besorgt und bedrückt. Ersteres liegt an deutlich zu wenig Schlaf während der letzten Woche, zweiteres an einem guten Wahlergebnis und letzteres daran, dass zu diesem Wahlergebnis nur 4,8 % der Studierenden beigetragen haben. Das Verhältnis meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen zu der Universität, welcher sie ein Teil von sind, macht mir durchaus ein wenig Angst.

4,8 %, dass sind 1772 tatsächliche Wähler*innen, bei 36464 potentiellen. Der Rest hat entweder keine Zeit zu wählen, es interessiert ihn nicht oder aber er versteht garnicht worum es geht, will es aber auch nicht erklärt bekommen – keine Zeit. Studierende stehen der Universität immer mehr als Kund*in eines Dienstleisters gegenüber und verstehen sich immer weniger als Teil einer Gemeinschaft. Das ist eine falsche Interpretation von Universität und geht zu ihren Ungunsten. Auch zu den Ungunsten derer, die unter einem Studium nichts anderes verstehen als die Möglichkeit zu einem besseren Produkt der kapitalistischen Verwertungskette zu werden.

Denn um ein Studium sinnvoll zu gestalten braucht es Studierende, die darin mitwirken. In Kommissionen, Fakultätsräten, Institutionskonferenzen, dem akademischen Senat und eben auch in der studentischen Selbstverwaltung. Wie viel Einflussmöglichkeiten Studierende haben ist dem Durchschnittsstudi nicht bekannt. Er belächelt lieber und wandert dann ins Delta.

Wenn sich bei denen, die angeblich die intellektuelle Elite dieses Landes stellen, eine Ablehnung jeder Selbstbestimmung und ein Hang zum reinen Konsumismus zeigt ist das, zumindest für den intellektuell-kritischen Geist, beängstigend. Natürlich, Wahlbeteiligungen bei Studierendenwahlen waren nie besonders groß; aber 4,8 % sind ein deprimierender Negativrekord.

Vor allem setzt sich diese Tendenz auch in anderen Fällen fort. Eltern schreiben für ihre Kinder E-Mails an Studierendenvertreter*innen, Dozent*innen oder das Prüfungsamt. Die Maturität, die mit dem Erhalt der allgemeinen Hochschulreife eigentlich vorhanden sein sollte, fehlt vollkommen. Man kann meckern über organisatorische Defizite. Aber man sollte dann nicht noch jene beschimpfen, die etwas daran zu ändern versuchen. Ansonsten sollte man vielleicht einfach mal über eine Zwangsexmatrikulation von Nichtwähler*innen nachdenken. Das gäbe kleine Seminare und eine Masterplatzgarantie.

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Ein Kommentar zu “Der Verfall der akademischen Sitten – 3.Teil: Die Wahlen

  1. Daniel Krebs sagt:

    Nichts anderes war zu erwarten, wenn eine leuchtender Stern des Parlamentarismus, ein Aushängeschild der Demokratie, ein Jever Pilsener der Biere, ein Ron Jeremy der Erwachsenenunterhaltung nicht mehr zur Wahl antritt – der aufmerksame Leser hat es längst gemerkt: Es handelt sich um die HSGFB. Leider ist auch das ansprechendste Kaltgetränk einmal leer – jetzt zeigen sich die Konsequenzen…

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