Religionskritik statt Islambashing

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Juli 1, 2013 von JoS

Die von mir angestoßene Diskussion ob der Zerstörung und Entfernung eines Plakates aus einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen hat inzwischen weite Kreise gezogen. Nach den bereits in einer Stellungnahme genannten Berichten der ak[due]ll und der ruhrbarone hat nun auch das Onlineportal derWesten.de, der WDR und – bedauerlicher Weise – auch der rechtsradikale Blog pi-news über den Sachverhalt berichtet.

In insgesamt zwei Artikeln berichtet das Portal über den Fall. Im zweiten Artikel werde ich, mit vollem Klarnamen, als Kronzeuge im Kampf gegen die Islamisierung herangezogen. Dazu bedarf es, so denke ich, einer Stellungnahme meinerseits. Denn es ist nicht so, dass, wie pi-news behauptet, die Linke jetzt endlich die Gefahr der Islamisierung erkannt hätte. Viel mehr ist die Reaktion von pi-news vergleichbar mit der Zerstörungsaktion auf dem Campus. Sie ist reflexhaft und wenig reflektiert.

Wer Religionskritik substantiell betreiben möchte, der muss dies in aller Breite und Ruhe tun. Und er darf sich nicht nur auf eine Religion beschränken. PI-News stellt sich, wie auch viele andere Strukturen der Neuen Rechten, als Verteidiger des (christlichen) Abendlandes dar. Als Verteidiger des Westens vor den einfallenden Mohammedanern und ihrer primitiven Kultur. Das wird zum einen der arabischen Kultur nicht gerecht, zum anderen vermischt es auf unzulässige Weise religiöse und andere kulturelle Aspekte.

Das zeigt sich auch am Beispiel von Habibi. Die Frage bei dem Werk kreist darum, ob es Thompson gelungen ist, sich einerseits vor einer frühen arabischen Schriftkultur zu verneigen und andererseits die Geschichte der sexuellen Ausbeutung in einer patriachalischen Gesellschaft darzustellen, in der natürlich auch der Islam als Machtinstrument vorherrscht. Natürlich deswegen, weil es schon rein historisch falsch wäre zu behaupten, dass der Islam nicht auch als patriachlisches Herrschaftssystem geschaffen wurde. Nicht anders als das Christentum im übrigen. Ob ihm das gelungen ist steht offen.

Hier setzt auch ein Punkt der substantiellen Kritik an. Im Hinblick auf die historische Dimension der (institutionalisierten) Religionsausübung lässt sich sehr viel Material finden, dass die gewalttätigen Aspekte von Christentum und Islam belegt. Dass dies auf einer historischen Ebene deskriptiv so festgestellt werden kann, bedeutet aber keinesfalls, dass dieses Verhalten so fortgeführt werden muss. Religionen sind, wie alle anderen Ideologien auch, einem Wandel unterworfen. Auf Grund ihrer Dogmatik mögen sie sich schwerfälliger verhalten, aber sie wandeln sich.

Ein weiterer Punkt der substantiellen Religionskritik ist die Frage der institutionellen Einbindung in den Alltag. Mit zwei christlich-theologischen Fächern ist die UDE dort stark vertreten. Man lernt sogar noch Dogmatik. Ein Fach namens Islamstudien gibt es nicht. Weder als – was wiederum wünschenswert wäre – kritisch-reflektiertes Fach und schon gar nicht in einer bekenntnisorientierten Weise, wie es die beiden christlichen Theologien sind. Auch im Arbeitsrecht findet sich diese Bevorzugung christlicher Einrichtungen wieder.

Die sich stellende Frage ist also die, wie man der Ungleichbehandlung der Religionen beikommen möchte. Dort gibt es zwei Möglichkeiten: Andere Religionsgemeinschaften, entsprechend auch den Islam, mit den gleichen Privilegien ausstatten oder die angestammten Privilegien der christlichen Kirchen abbauen. Mir persönlich wäre die zweite Möglichkeit lieber. Die selbsternannten Islamisierungsgegner*innen sehen das voraussichtlich anders.

Wichtig ist aber abschließend eines: Wer eine substantielle Kritik üben möchte, der kann dies nicht in einem kurzen Blogbeitrag tun. PI-News hat diesen Anspruch für sich und darum ist es mir in besonderer Weise wichtig von der Instrumentalisierung meiner Person durch diese rechten Spinner so viel Abstand wie möglich zu nehmen. Ob ich das auch noch in strafrechtlicher Weise tun werde steht noch offen.

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3 Kommentare zu “Religionskritik statt Islambashing

  1. Joachim sagt:

    Du solltest lernen, wofür der Begriff „rechtsradikal“ überhaupt steht. In der Regel begnügen sich linksextreme Feingeister mit Begriffen wie „Hasser“, „Phobiker“ oder „Rechtspopulisten“, was zumindest teilweise nachvollzogen werden kann. Aber „Radikale“ ist dann doch arg vorbei.

    • marvster77 sagt:

      Zum Thema „Extremismustheorie“ erscheint in den nächsten Wochen noch ein Artikel.

      Keine der Bezeichnungen „rechtsradikal“, „rechtsextrem“, „linksradikal“ und „linksextrem“ ist im wissenschaftlichen Kontext zu gebrauchen.

      Wenn du also etwas gegen den Begriff „Rechtsradikal“ hast, benutze auch nicht das Wort „linksextrem“. Danke!

  2. Ano Nymer aus AT sagt:

    Zitat:“Wer Religionskritik substantiell betreiben möchte, der muss dies in aller Breite und Ruhe tun. Und er darf sich nicht nur auf eine Religion beschränken.“

    Wer sagt das denn? Und wieso denkt diese Person das sie die Spielregeln für öffentlichen Diskurs vorgeben darf?

    Und wo ist der Einsatz für die anderen Religionen ausser dem Islam??

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