Als mich die ZEIT duzte

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Juli 6, 2013 von JoS

Ich bin in den letzten Jahren ein großer Freund des sogenannten social-networkings geworden. Nicht nur, dass ein politisch interessierter (Facebook-)Freundeskreis der beste Pressespiegel ist, auch die etablierten Medien der Welt haben das Internet für sich entdeckt und benehmen sich plötzlich sehr privat.

Das ZEIT-Magazin verzichtet bei Facebook zum Beispiel auf das doch so förmliche „Sie“ und duzt plötzlich Alle, die den Like-Button geklickt haben. Die Stern Onlineredaktion klärte mich heute noch vor Redaktionsbeginn über den blauen Himmel auf und die Tagesschau taggt inzwischen brav alle ihre Informationen auf Facebook. Als Nicht-Twitter-Benutzer irritiert mich das ein wenig. Aber das wird sich sicher geben. Ich habe gestern sogar meinen ersten Hashtag benutzt.

Aber verwirrend ist es dennoch. Ich habe nun mehr als zwei Jahre die ZEIT gelesen – und inzwischen aus monetären Gründen abbestellt – und nie wäre ich auf die Idee gekommen, wir seien uns irgendwie nahe. Auch bei dem ZEIT-Magazin, welches immer brav beilag, erschien mir dies nicht so. Die Social Networks verändern dies. Die Zeitschrift Capital zeigt mir Bilder vom mittäglichen Pizza-Essen und der Stern sagt jeden Abend brav gute Nacht. Die Tagesschau informiert mich darüber, was in der nächsten Ausgabe kommt und die FAZ berichtet, was gerade wichtig ist.

Ich hatte mich, durch mein New York Times E-Mail Abonement, schon daran gewöhnt die US-amerikanischen Sportereignisse hautnah zu erleben, aber inzwischen erklären mir diverse Medien schnell und zuverlässig was passiert – während ich mein Abendessen koche. Und nach einer gewissen Zeit der Irritation komme ich zu einem klaren Ergebnis: Ich mag es!

Als die Junge Freiheit von Ausländerkrawallen in Stockholm berichtete, schob die taz kurz danach einen Artikel über soziale Proteste in der gleichen Stadt nach. Die FAZ stürzt sich heute Abend auf Ägypten, die Welt auf die Türkei. Eine bessere Breitenbildung mit Chance auf einen tiefen Einblick kann man kaum bekommen. So verbleibe ich mit einer Bitte: Aboniert die Zeitung, die Euch am meisten zusagt, denn nur so können diese Zeitungen bestehen. Aber nutzt zugleich die Chance, Euch breit zu informieren. Nie konnten wir leichter an Informationen gelangen – und nie waren wir so uninformiert.

Achja, das Du ist natürlich dem social-networking geschuldet.

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