Kannibalistische Ethik

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August 8, 2013 von JoS

Im Jahr 2007 hatte die CDU mal wieder einen Aufhänger gefunden. Vollkommen empört war der Kanzlerinwahlverein, als Armin Meiwes zum Vorsitzenden der Grünen Gefängnisgruppe gewählt wurde. Klare Stellungnahme seitens der hessischen CDU: Die Grünen würden „nicht davor zurückschrecken, einen Menschenfresser bei sich aufzunehmen“. Nun, das ist sachlich falsch, aber das ist bei der CDU bekanntlich ja nicht so wichtig. Armin Meiwes, das ist der Mann, der bekannt wurde, weil er einen Mann in dessen Einvernehmen zum Teil gegessen und getötet hatte. Ein Gegenstand der öffentlichen Empörung.

Ich finde diesen Sachverhalt interessant und bin entsprechend dankbar, dass der Grünenhass des Ruhrbarone-Bloggers Stefan Laurin ihn in mein Sichtfeld gerückt hat. Denn vor allem im Zusammenhang mit einem aktuellen Gegenstand der öffentlichen Empörung wird die Sache ganz witzig: Dem Veggietag, wie er von den Grünen gefordert wird. Einmal in der Woche kein Fleisch – wer soll das nur Überleben? Und am Ende bleibt vor allem eine interessante Beobachtung: Töten ohne Einverstädnis ist ein existentielles Recht, Töten mit Einverständnis ist dagegen zu verurteilen.

Nicht nur bei der Frage des Fleischverzehrs zeigt sich dieses wunderbare Phänomen. Nichtmenschliche Tiere sind nach Ansicht vieler bekanntlich schlechter zu stellen und reihen sich damit in eine bunte Gruppe aus Juden, Farbigen, Kommunisten und Frauen ein. Aber wie sieht es dort aus, wo man, die Rassist*innen mal beiseite gelassen, eigentlich einen Konsens hat. Warum ist der Beschuss eines Krankenhauses ein Kollateralschaden und aktive Sterbehilfe eine Straftat. Ist Töten nur dann legitim, wenn das zu tötende Subjekt nicht getötet werden willl?

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland – so steht es bei Celan. Aber nicht nur Deutschland ist ist ein hervoragendes Beispiel für diese Praxis. Wenn in den USA ein Jugendlicher erschossen wird kommt der Täter frei – gut, hier ist noch ein bisschen Rassismus im Spiel – unterstützt ein Mann jedoch seine Frau bei einem Suizid, den sie wegen ihrer physischen Gebrechen nicht mehr selbst vollziehen kann, so wird er verurteilt.

Vielleicht sollten die Grünen Herrn Meiwes doch aufnehmen und zum Ernährungsexperten machen. Ich empfände das weniger abwegig, als die Volksverhetzerin Erika Steinbach zur Menschenrechtsbeauftragten zu machen.

 

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