Lass mal über Rauten reden

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September 17, 2013 von JoS

Wahlkampf. Zeit der politischen Auseinandersetzung, der Lektüre von Wahlprogrammen. Der Höhepunkt des Wettstreits zwischen Ideen und Ideologien. Oder in diesem Jahr ganz besonders: Lagerwahlkampf. Das eine Lager ist das des Mittelfingers, das andere das der Raute. Nichts beschreibt diese Wahl besser, als die zugespitzte Debatte auf die Gesten von Kanzlerin Merkel (CDU) und Herausforder Steinbrück (SPD). Denn um was geht es anderes, wenn nicht um Nichtigkeiten, die von Themen ablenken.

Was passiert, wenn man sich inhaltlich stark positiionieren möchte, das haben nun die Grünen erlebt. Tierschutz ist ein Kernthema der Partei. Wo man jetzt mit dem sogenannten „Veggie-day“ mal ein wirkliches Zeichen setzen möchte gibt es harten Widerstand. Tierschutz, ja, aber dennoch möchte ich morgens, mittags und abends meine Leichenteile auf dem Teller haben. Und auch bei der Steuerpolitik sehen wir das gleiche Spiel: Mehr Steuergerechtigkeit? Ja, klar! Konkrete Vorschläge? Bitte Nein! Wir sind das Wahlvolk der Ankündigungen.

Das 100-Tage-Programm von Steinbrück ging in einem Zuge einfach unter. Dafür diskutiert die Presse jetzt darüber, dass Jürgen Trittin (Grüne) mal seinen Namen unter ein Kommunalwahlprogramm gesetzt hat, in welchem der gewaltfreie Verkehr zwischen Minderjährigen und Erwachsenen straffrei gestellt werden sollte. Dank eines kleinen V.i.S.d.P. schiebt man den Grünen Spitzenkandidaten in eine Ecke mit pädophilen Gewalttätern. Kritik kann man an den Grünen zur Genüge äußern. Grade dies gehört aber sicher nicht in die aktuelle Debatte.

Aber neben diesen kleinen Aufregern geht es dann doch nur um Mittelfinger und Rauten. Die JU hat einen weiteren penlichen Videoclip hochgeladen, in welchem sie in Rautenform die Geste der Kanzlerin nachstellt. Dazu der Spruch des Wahlkampfs: Keep calm und Kanzlerin wählen. So kann man Wahlkampf auch zusammenfassen: Lass mal über Rauten reden. Alles andere ist nicht so wichtig, Mutti macht das schon. Macht was? Ja, das alles und so.

Zugegeben, der Lagerwahlkampf ist nicht einmal ein Flügelwahlkampf. Egal in welcher Kombination CDU, SPD, FDP und Grüne zusammenkommen werden. Jede Koalition steht für Rüstungsexporte, Sozialabbau, Kriegseinsätze und Marktgläubigkeit. Es ist ja nicht so, als gäbe es wirklich alternative Konzepte. Wenn sich bei den Grünen die Realos und die Fundis fetzten war deutlich mehr los.

Und dennoch, nicht einmal darüber, dass die nächsten vier potentiellen Regierungsparteien für Entscheidungen stehen, gegen die sich die deutsche Bevölkerung mehrheitlich ausspricht, sprechen wir. Über Alternativen erst gar nicht. Dafür bekommt ein Wirtschaftsprofessor Aufmerksamkeit, der nichts anzubieten hat außer der traurigen Erkenntnis, dass die akademische Ökonomie vollkommen sprachlos vor den ökonomischen Herausforderungen steht.

Dass man keine Lust hat sich zu einer Zirkusshow zu äußern, wenn man eigentlich eine politische Meinung kundtun will, ist entsprechend verständlich. Dennoch sollte man zum Wahllokal. Man kann ja Rauten malen, die Linke oder einfach eine der teilweise nicht unsympathischen Kleinparteien wählen. Würde die Partei der Nichtwähler die 5% Hürde schaffen, das wäre doch was.

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