Brot, Spiele und Rektor

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Oktober 8, 2013 von JoS

Cheerleading, Burlesque, Bratwurst und Bier. Was ein wenig nach dem bayrischen Oktoberfest klingt, beschreibt die Eröffnungsveranstaltung für die Erstis der Universität Duisburg-Essen eigentlich sehr genau. Und auch mein politisches Umfeld, welches mich, auf Grund meines (vermeintlichen) Bildungskonservatismus gerne schmäht, wird mir in diesem Punkt sicher zustimmen: Diese sexistische Bierzeltparty war sicher kein geeigneter Universitätsempfang.

Es bedarf sicher keines Streicherquartetts um dem Anspruch einer akademischen Veranstaltung gerecht zu werden, aber diese Inszenierung wurde eigentlich nur einem gerecht: Dem Ruf der UDE als Hauptschule unter den Hochschulen. Es bedarf weder eines Standesdünkels, noch einer konservativen Einstellung zum Thema Bildung, um diese Veranstaltung als Peinlichkeit einzustufen.

Dass die Einführung in einem Stadion stattfand, kann man noch unter der Kategorie ‚Sachzwang‘ einordnen. Dass man es gleich zu einem Schlagerevent mit Stadionsprecher und nackter Haut machen muss, gehört doch eher in die Kategorie ‚unnötige Peinlichkeit‘. Eine Nummer mit dem Namen „Burlesque and Chairs“ dann noch als emazipatorisch zu verkaufen ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich ernsthaft in emanzipatorischen Kontexten bewegen. Nichts gegen Burlesque als Tanzform – auf einer solchen Veranstaltung ist es jedoch, genauso wie das Cheerleading, eine unnötige Sexualisierung.

Zu den Reden muss man wohl nicht viel sagen: Paß als Oberbürgermeister von Essen und Lensdorf als erster Bürgermeister von Duisburg sagten das, was Bürgermeister eben zu sagen haben. Rektor Ulrich Radtke hatte einen recht starken Auftritt – es tut ihm gut, wenn er frei redet und nicht abliest. Den Auftritt der beiden AStA-Vorsitzenden, Julia Wenzel und Felix Lütke, die mit Kritik am Hochschulsystem nicht sparten und auch auf die Probleme in den Städten zu sprechen kamen, kann man nur loben, auch wenn wenig bei den Studis hängen bleiben wird.

Betrachtet man die Veranstaltung jedoch als pars pro toto für die Universität, so bleibt ein Brot-und-Spiele Image zurück, welches nur durch einen Rektor ergänzt wird. Wenn der Stadionsprecher nicht in der Lage ist die Titel des Rektors richtig aufzusagen – wenn man schon Dr. Radtke sagt, dann doch bitte Professor Doktor Radtke, oder man lässt es sein – und der Leiter des Hochschulsports sich dazu vergreift „die Magnifizenz“ zu sagen – korrekt wäre es „Seine Magnifenz“ zu sagen, da die korrekte Ansprache „Eure Maginifenz“ ist – anstatt einfach auf den Rektor zu rekurrieren, dann erschließt sich das Bild einer Universität, die nicht einmal in der Lage ist, Anreden richtig zu verwenden. Wenn es schon daran scheitert, wird es mit der Verwendung der wissenschaftlichen Begriffe sicher auch nicht weit sein.

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Ein Kommentar zu “Brot, Spiele und Rektor

  1. Paul Bosek sagt:

    Die Sache mit dem Cheerleadern erscheint mir gezwungen amerikanisch. Ebenso die Wahl des Standortes. Möchte man vielleicht Prozessivität durch die Erfüllung Klischees vortäuschen?

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