Diese lächerliche Diskriminierung

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November 20, 2013 von JoS

So ist das eben bekanntlich: Männer essen Fleisch und trinken Bier, während sich nebenan die Frauen beim Prosecco die Nägel lackieren. Die Werbung sagt es uns und damit ist die Sache dann auch geklärt, oder? Wir sind die Vermarktungsindustrie, Widerstand ist zwecklos. Ungefähr so muss man sich wahrscheinlich die Welt eines RCDSlers vorstellen: Alles schön norminiert und jetzt bitte keine Sonderwünsche.

Anders kann man zumindest einen Post des Ring Christlich Demokratischer Studierender (RCDS) nicht interpretieren. Eine Pressemitteilung des AStA zum Thema Werbefreiheit an der Universität und vor allem gegen die Vermarktung von Geschlechterstereotypen findet man einfach „lächerlich“. So ist das eben: Männer haben so zu sein, Frauen so und etwas anderes gibt es nicht. Der RCDS wankt einmal wieder einige Jahrzehnte hinter der Wissenschaft hinterher.

Es verwundert nicht, dass die gesamte Debatte um sexuelle Identität an den Jungrechten vorbeigegangen ist. Wer sich in martialischen Stahlgewitter wohlfühlt wird wohl nie wissen, wie es ist, wenn man das tun muss: Etwas Kleines, gut versiegeln. Und wer ideologisch irgendwo im Spätmittelalter hängen geblieben ist wird sich auch nie der Literatur von Alfred Lichtenstein zuwenden.

Es ist nahezu erstaunlich, dass die faschistische Kategorie des Entarteten, die sich im Nationalsozialismus so herausgeprägt hat, im RCDS weiter gedeiht. Nicht als fanatischer Vernichtungswahn, sondern als Preisgabe zur Lächerlichkeit. Nicht umsonst war es vor allem die expressionistische Kunst, die die Normierungen aufhob und das Unwohlsein des Unbekannten mit sich trug, welche die Nazis verachteten. Nicht umsonst ist es die Angst vor der Preisgabe der bisexuellen Geschlechterorientierung, die die Ringgeister auf den Plan ruft. An Homosexuelle musste man sich gewöhnen, aber jetzt ist doch auch irgendwann einmal Schluss!

Es verwundert entsprechend auch nicht, dass die rechtskonservative Junge Freiheit grade diese Woche mit einer antiemanzipatorischen Schlagzeile erscheint, die Muttertum als Herausstellung der Weiblichkeit propagiert. Der RCDS wieder auf einer Welle mit der reaktionären Publizistik der Nation.

Spott ist eine besonders harte Form der Herabwürdigung, denn sie gesteht der Position des Gegenübers keinen Raum zu, keine Relevanz. Spott drückt keine Meinungsverschiedenheit aus, sondern wertet die gegenteilige Meinung ab. Das unterscheidet den Spott von der Satire. Die Satire setzt sich mit dem Gegenstand, den sie behandelt, auseinander, der Spott ignoriert ihn. So ist auch die propagierte Lächerlichkeit zu verstehen: Fühlt Euch doch einfach nicht diskriminiert, sondern passt euch an. Schön normiert sortiert es sich auch leichter.

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