Die letzten Aufrechten

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Dezember 2, 2013 von JoS

Darf man Aktivist*innen der rechtsradikalen Szene outen, wenn sie sich in den Hörsälen der Hochschulen dieses Landes herumtreiben? Der Konfliktforscher Andreas Zick zum Beispiel hält nichts davon, wie er in der Süddeutschen Zeitung bemerkte. Aber er hält die Frage, wie man mit der radikalen Rechten umgehen soll, für schwierig. Abschließend hat er auch nichts konkretes zu sagen:

„Die Uni sollte sich überlegen, was Konsens ist. Ist es eine individuelle Personenverfolgung – oder will man nicht was anderes? Gegebenenfalls muss die Hochschule ein Forum schaffen, in dem über gemeinsame Werte diskutiert wird, und auch die Frage nach dem Umgang mit jenen gestellt wird, die diese nicht achten. Auch eine Uni muss sich schließlich politisch weiterbilden.“

Kapitulieren dürfen Hochschulen nach Zick nicht. Es ist eher eine Frage der Methode und des Tons, als eine Richtungsfrage. Klar ist jedoch: Die Akademisierung der radikalen Rechten ist ein Problem. Für die Hochschulen, wie für die Bevölkerung und natürlich auch für die Studierendenschaft. Wie gehe ich damit um, wenn ein stadtbekannter Neonazi neben mir sitzt?

Wie man es nicht macht, hat der Fachschaftsrat der juristischen Fakultät der Ruhruniversität Bochum nun bewiesen. Dort wurde auch jemand aus der radikalen Rechten geoutet. Und erfuhr Solidarität durch den Fachschaftsrat. Bei allen Fragen der Methode: Hier wird ein Neonazi durch ein gewähltes Gremium unterstützt. Das überschreitet sämtliche Grenzen. Und auch die Kommentare unter der Stellungnahme zeigen einen klaren Kurs: Geschimpft wird über einen Linksextremismus, der Vorlesungen stört. Der Neonazi ist da nicht so schlimm.

Es sind wieder die Apologeten des Unpolitischen, die sich hier mit einem gewaltbereiten und gewalttätigen Neonazi gemein machen. Unpolitisch solle die Universität sein und überhaupt mache man wieder viel zu viel Wind um die Sache. Wenn etwas wäre, die Polizei kümmerte sich schon darum. Nach dem kollektiven Versagen sämtlicher deutscher Behörden im Zuge der NSU-Ermittlungen eine gewagte These. Vor allem von Mitgliedern einer juristischen Fakultät.

Doch verwundert es nicht. Der juristischen Ausbildung fehle eine klare Verankerung der Rechtsphilosophie und der Rechtsgeschichte sagen da Manche. Grade die Bedeutung der Juristerei im Nationalsozialismus ist ein dunkles Kapitel der deutschen Rechtsgeschichte. Wenn der Nachwuchs da die Politik rauswerfen möchte, so ist das kein gutes Zeichen. Nicht nur spricht dieser Nachwuchs dem Widerstand seine Berechtigung ab, er macht sich auch selbst zum Sklaven jedweden Systems.

Bei aller Abneigung gegen das Outing von Neonazis, bei aller Kritik an Methode und Form: Es sollte doch Konsens sein, dass Menschen, die zur Vernichtung vermeintlicher Untermenschen aufrufen, nicht Teil der Studierendenschaft sein dürfen. In Bochum ist das anders. Da solidarisiert man sich mit solchen Menschen. Da will man nicht gestört werden. Und wenn der Brück in den Untergrund geht, so sitzen später ein paar brave Jurist*innen daheim und wundern sich, dass sie mal wieder nichts gewusst haben.

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2 Kommentare zu “Die letzten Aufrechten

  1. SkatBruder sagt:

    Es laufen exakt die Muster ab, die hier beschrieben werden:

    http://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/136660/nazi-outing?p=0

    Ergebnis für das Bochumer Outing: viel Geschreibsel, Geschrei, Gehaue und der Nazi bleibt Nazi. #fail

    Macht lieber Häuserkampf in Wohngegenden, wo die Jugend den Nazis auf den Leim geht. Engagiert Euch bei SchuleOhneRassismus, klärt die Kinder und Jugendlichen auf anstatt so einen Weihnachtsmann-Verkleidungs-Mist durch zu ziehen, lächerliche Aktion.
    Sowas, zugegeben, macht vielleicht mehr Spaß und ist spannender, als mit langem Atem in einem Jugendzentrum den Heranwachsenden zu erklären und sie schließlich zu überzeugen, warum man den Nazis keine Chance geben sollte.

    • JoS sagt:

      Über die sonstigen Aktivitäten der dortigen Personen kann ich leider nichts sagen. Woher das ‚ihr‘ kommt ist mir entsprechend schleierhaft. Zum Unfug der Extremismustheorie muss ich mich, denke ich, auch nicht mehr äußern und verweise auf die entsprechende Broschüre des DGB.

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