Nicht professorabel

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Dezember 4, 2013 von JoS

Bochum diskutiert und mit ihm das Ruhrgebiet, NRW und weite Teile Deutschlands. Bochum diskutiert aber nicht über den Neonazi Michael Brück, sondern über das Thema Linksextremismus – worüber ich am Montag bereits schrieb. Einen Tag später, nach der Lektüre von verschiedenen Artikeln und Kommentaren im Zusammenhang mit diesen Artikeln, habe ich einen umfassenderen Artikel zu diesem Thema in der Community des Freitags publiziert. Dieser stellt den, bis dahin zu rekonstruierenden, Vorgang dar und kommt zu dem Ergebnis:

Betrachtet man die Lage einigermaßen objektiv, so muss man feststellen, dass in Bochum eine umstrittene Aktionsform gehörig schiefgelaufen ist. Wenn sich die Aktivistinnen und Aktivisten nur auf Plakate und Flyer verlassen hätten, wenn sie vielleicht auf einen Wortbeitrag in der Vorlesung verzichtet hätten, wenn der Dozent besonnener reagiert hätte, wenn der bedrängte Aktivist ruhiger reagiert hätte, vielleicht wäre dann nur auf Brück aufmerksam gemacht worden. Jetzt gibt es eine Debatte über Linksradikalismus, weil eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personen in einem allgemeinen Tumult endete.

Die dahinterstehende Aussage ist eigentlich klar: Worüber wir diskutieren ist vollkommen unsinnig. Man kann über den Sinn von Outings reden und man muss über die Gefahr reden, die von der radikalen Rechten an den Hochschulen ausgeht. Worüber man eigentlich nicht unbedingt reden muss ist, ob und warum diese Sache jetzt schief gegangen ist. Denn zu bedenken gilt: An anderen Hochschulstandorten gab es Outings, ohne, dass es zu Konflikten gekommen wäre.

Inzwischen möchte ich diese Meinung zum Teil revidieren. Ich glaube immer noch, dass die oben genannten Themen wichtiger sind, als die Frage, wodurch genau die Situation eskalierte. Aber inzwischen ist dieser Eskalationsprozess für mich doch relevant. Vor allem auf Grund des Nachspiels.

Der Blog Ruhrbarone hat gestern ein Video verbreitet, das den Beginn der Auseinandersetzungen zeigt. Klar zu erkennen, wer was macht, ist auf diesem Video jedoch nicht. Erkennen kann man jedoch, dass die Aktivisten im Raum recht besonnen agieren. Sie sagen, sie seien gleich weg, während Professor Borges zwei Mal ‚Raus hier!‘ brüllt. Dann geht er auf die Person mit dem Megaphon zu, diese weicht zurück. Im folgenden gibt es ein Gerangel. Darin sieht man auch klar: Borges ist keinesfalls das Opfer, als das er sich darstellt. Auch er langt kräftig zu, drückt eine Person auf einen Tisch. Eine klare Gewaltanwendung.

Damit sei die letzte Schuldfrage nicht geklärt, aber es wäre doch angebrachter gewesen, wenn die beiden Herren sich in guter Kämpfermanier danach einen gemeinsamen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt gegönnt hätten. Stattdessen behauptet Borges, er sei – als unschuldiges Opfer! – mit Teleskopschlagstöcken verhauen worden. Es riecht nach derber Falschaussage und Verleumdung. Was jedoch wichtiger ist: Warum stellt sich Borges so vor den Neonazi Brück? Er belässt die Sache nicht bei sich, sondern startet eine Kampagne. Er lenkt die Aufmerksamkeit von einem der gefährlichsten Neonazis Deutschlands ab, um eine Debatte um vermeintliche linke Gewalttäter zu plazieren.

Dass juristische Fakultäten nicht grade der Hort der progressivsten Köpfe sind, ist bekannt. Aber stellt man sich inzwischen lieber vor einen Neonazi, anstatt sich von der Antifa etwas erklären zu lassen? Bei allen diesen Fragen ist jedoch eines klar: Borges ist nicht professorabel. Die Bezeichnung des ‚Prügel-Profs‘ wird ihn sicher noch einige Zeit begleiten. Aber auch die RUB muss ihre Konsequenzen ziehen und ein Dienstaufsichtsverfahren gegen Borges einleiten. Das Hausrecht in allen Ehren, Prügel rechtfertigt dieses nicht. Und dann sollten sich die Angehörigen der Hochschule zusammensetzen und endlich überlegen, wie sie gegen die militante Rechte am Campus vorgehen. Vielleicht hilft der Blick nach Bielefeld.

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Ein Kommentar zu “Nicht professorabel

  1. Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Linksextremismus

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