Kleinbürgerlicher Agentenkrimi

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Juli 5, 2014 von JoS

Endlich wieder ein bisschen Agentenaction in Europa. Doppelagentenaction sogar. Mehr als 200 geheime Dokumente soll ein 31-jähriger BND-Mitarbeiter auf einem USB-Stick entwendet und der NSA zum Kauf angeboten haben. Drei davon sollen Bezug zum NSA-Untersuchungsausschuss gehabt haben. Der stolze Kaufpreis: 25.000€! Der Ort für die konspirativen Treffen: Österreich! Ein Agentenkrimi nach deutscher Amtsstubenmanier.

Dieser Agententhriller lässt alles vermissen, was eine gute Spionagegeschichte ausmacht. Den Held stelle ich mir vor, wie man sich einen deutschen Beamten eben vorstellt. Nicht allzu groß, leicht gebeugte Körperhaltung und ein mausgrauer Anzug. Vielleicht trug er manchmal Freitags, verwegen wie er ist, einen Ein-Tag-Bart. Natürlich nur, wenn keine wichtigen Termine anstanden. Und dann schmuggelt er 200 als geheim klassifizierte Dokumente auf einem USB-Stick aus den Büroräumen. Gut, seit Bradley Manning wissen wir einfach es ist geheime Informationen zu schmuggeln, aber wirklich? Auf einem USB-Stick?

Besonders amüsant ist zudem die Summe, die für die Informationen gezahlt wurde. 25.000€ für einen zweihundertfachen Geheimnisverrat. Nun gut, die NSA muss auch mit gerade einmal 10,8 Mrd. US-Dollar (ca. 8 Mrd. Euro) auskommen. Und außerdem: Wahrscheinlich waren die Informationen bereits hinereichend bekannt. Zudem mussten Sie wahrscheinlich noch die Spesen für die Geheimtreffen in Österreich bezahlen. Sowas wird ja auch nicht grade günstiger.

Was bleibt ist ein Schmunzeln: Ein BND-Mitarbeiter, mittlerer Dienst, wird zum Verhör gebeten, weil er mit russischen Geheimdiensten zusammengearbeitet haben soll. Er gibt dann zu, dass es doch US-amerikanische waren. Am Ende werden wir uns alle wieder eine Woche empören, Thomas Oppermann wird auf seine Bringschuld seitens der US-Regierung pochen und Hans-Christian Ströbele noch einmal unterstreichen, wie wichtig der Zeuge Snowden in diesem Verfahren ist. Dann haben wir uns alle wieder abgeregt und kommen glänzend damit klar, dass in jeder Minute mehr Daten gesammelt werden, als auf einen USB-Stick passen würden.

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