Unbedingt Angriffsbereit

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August 19, 2014 von JoS

Im Jahre 1962 veröffentlichte der Spiegel einen Artikel mit dem wohlklingenden Titel Bedingt Abwehrbereit. Landesverrat schrie der damalige Verteidigungsminister Strauss. Die Zeiten haben sich gewandelt. Der Feind steht nicht mehr an der Grenze und deutsche Waffen sind im Ausland äußerst beliebt. Die deutsche Kriegslust wird heute nicht mehr durch die Entsendung von Soldaten befriedigt, sondern durch den Verkauf von Waffen. Das hat zwei charmante Vorteile: Erstens spült es Geld in die Kassen und zweitens erleiden Waffen eher selten Trauamta. So kann man den Traum von der Konfliktbeteiligung ohne die lästigen Konsequenzen leben.

Wie wichtig der Krieg auf der Welt für die Deutschen ist, ist offenbar nicht zu unterschätzen. Während Struck in seiner Zeit als Verteidigungsminister ein deutsches Reich bis an den Hindukusch erträumte oder zumindest meinte, dort gebe es deutsche Grenzen zu verteidigen, geht der Unionspolitiker Pfeiffer jetzt sogar noch weiter. Die Pläne Gabriels, keine Waffen mehr in Krisengebiete zu schicken, gefährde die nationale Sicherheit der BRD, so die CDU-Außenpfeife laut der FAZ. Darauf einmal kurz gefragt: Hä?.

Mir persönlich ist es ja schon eher unangenehm, dass die BRD atomwaffenfähige U-Boote an Staaten verschenkt, die den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben haben. Dass die nationale Sicherheit gefährdert sei, wenn deutsche Waffen nicht das tausendfache Sterben unterstützen, ist mir nicht klar. Wie habe ich mir das vorzustellen? Konfliktpartei A besiegt Konfliktpartei B, sieht sich dann ihre Waffenliste an, stellt fest, dass keine deutschen Waffen darunter sind und beginnt daraufhin eine Offensive gegen Deutschland? Und für welche Konfliktpartei entscheidet man sich dann eigentlich? Assad ist noch immer nicht gestürzt, bei der Auseinandersetzung zwischen Peschmerga und ISIS weiß man auch nicht, wie es enden wird. Gut, in Katar ist noch jeder Volksaufstand erfolgreich niedergeschossen worden. Da kann man durchaus weiter an die Regierung liefern. Oder macht es die deutsche Rüstungsindustrie in der alten, kruppschen Manier und liefert einfach an alle beteiligten Konflikparteien? Wäre zumindest eine faire Angelegenheit.

Wie die Diskussion seitens der Union geführt wird ist wirklich pervers. Da wunderts auch nicht, dass der bayrische König Seehofer nochmal nachlegt: „Dann müssen wir mitmachen, und zwar bei allem. Da kann es kein Tabu geben.“ Kein Tabu mehr? Eine interessante Idee für eine Außen- und Sicherheitspolitik. Man könnte die Sache aber auch anders betrachten: Wenn sich Menschen gegenseitig abmetzeln müssen, damit die Sicherheit Deutschlands garantiert ist, dann sollte man dieser Staat vielleicht abschaffen. Solange könnte man auf Rüstungsexporte verzichten. Und diejenigen die um ihre Arbeitsplätze fürchten, dürfen gerne zum Praxistest in die betroffenen Regionen fahren. Pfeiffer und Seehofer schließen sich sicher gerne an. Nationale Sicherheit und so.

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Ein Kommentar zu “Unbedingt Angriffsbereit

  1. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Aufrüstung

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