Duisburger Zustände

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September 24, 2014 von JoS

Mein letzter Beitrag zu Duisburg sprach noch von Verhältnissen, inzwischen sollte aber die Rede durchaus von Zuständen sein. Denn es ist wohl kaum ein Zufall, dass Duisburg schon wieder in Sachen Rassismus einen prominenten Platz im Ruhrgebiet einnimmt. Besonders interessant ist dies, weil es hier nicht um organisierte Neonazi-Kader oder ein faschistisches Polizeicorps geht, sondern um den rassistischen Normalzustand. Einen rassistischen Normalzustand, der sich nicht in impliziten Neigungen, sondern in expliziter Artikulation manifestiert.

In einem, für diese Gazette schon kritschen, Artikel schreibt Oliver Schmeer in der WAZ über eine Informationsverstanstaltung zu den neuen Asylunterkünften in Duisburg. Als kleine Perle des Lokaljournalismus mag dabei vor allem dieser Satz gelten: „Fakten, die untergingen, weil vielen auch nicht klar war, dass Asylbewerber kommen und keine Armutszuwanderer.“ Man muss bedenken, dass wer erschossen zu werden droht ein legitimes Asylgesuch hat und wer zu verhungern droht nur unsere Sozialkassen plündern will. Mit dieser Unterscheidung zwischen guten und schlechten Flüchtlingen hätte Schmeer sich in den 90ern bei der CDU bewerben können – oder alternierend heute bei den Grünen.

Was diesen Artikel in besonderer Weise auszeichnet ist, dass er zwar versucht auf eine rassistische Grundtendenz zu verweisen, am Ende jedoch immer wieder auf Immunisierungsargumente verfällt. Natürliche gebe es rassistische Aussagen von Anwohner*innen, diese fallen aber auf eine rassistische Agitation parteilicher Organisationen, in diesem Falle Pro NRW, zurück. Dass die Haltungen von Sören Link und Pro NRW ziemlich d’accord sind bleibt unerwähnt. Die Academy dankt an dieser Stelle der Extremismustheorie. Oder anders gesagt: Ob Rassismus eben gut oder schlecht sei hängt von der Sprecher*innenposition ab. Und das gilt in diesem Falle nicht fürs Kabarett.

Doch einmal so unter uns: Wenn ein Duisburger Obermeister schon versucht die Stimmung in seiner Stadt zu besänftigen, indem er Lager baut und ihm dies nicht gelingt, weil selbst das Lager zu viel ist – wo sind wir dann gelandet? Duisburg ist weder bunt noch tolerant. Duisburg ist der Inbegriff dessen, was man als Extremismus der Mitte bezeichnet.

Eine Eigenheit des neoliberalen, kapitalistischen Systems ist es offene Angriffe zu verdecken, Immanenzen zu schaffen. Als Staat und bürgerlicher Rassimus noch Brandanschläge brauchten waren die Taten offener. Als der erste Asylkompromiss verabschiedet wurde gab es großen Protest. Heute ist es grünes Parteigeplänkel. Es gibt diese Szene aus der Pressekonferenz, in welcher ein Journalist zu hören ist, der sagt: „Das kann jetzt nicht wahr sein, das kann einfach nicht wahr sein“. Anno 2014 passiert nichts. Das sollten sich all Jene vor Augen führen, die bei den nächsten Wahlen wieder Werbung für vermeintlich strukturell linke Parteien machen werden.

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Ein Kommentar zu “Duisburger Zustände

  1. Ich vermute, viele Menschen haben einfach Angst, weil sie nicht unterscheiden können zwischen Flüchtlingen und Einwanderern, und letztere sind für sie gleichbedeutend mit osteuropäischen Banden, die alte Frauen am Geldautomaten überfallen. Daran tragen meiner Ansicht nach auch die Massenmedien eine Mitschuld, die, um ihre Auflage zu steigern, wenn sie von Einwanderern berichten, dann hauptsächlich von solchen kriminellen Elementen. Ein Bericht über Menschen, die mit hervorragendem Ergebnis einen Deutschkurs absolvierten oder sich beruflich qualifizieren, befriedigt die Sensationsgier der Menschen nicht.
    Hier hilft nur Aufklärung.
    Klar, daß die rechten Parteien jetzt Morgenluft wittern und versuchen, dort Hass zu schüren, wo bislang nur Angst und Unsicherheit herrschte.
    Zum Glück, und das läßt mich ob dieser traurigen Tatsachen nicht völlig verzweifeln, gibt es aber noch eine andere Seite Duisburgs. Die der Hilfsangebote für Flüchtlinge. Die der Menschen, die Flüchtlinge und Zuwanderer unterstützen und sich engagieren wollen. Die fragen, was gebraucht wird und bereit sind, etwas zu spenden.

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