Hau den Muslim

1

September 29, 2014 von JoS

Ich habe es schon wieder getan. Eigentlich weiß ich es besser, aber dennoch habe ich es schon wieder getan: Ich habe gestern Günther Jauch gesehen. Und das war, wie zu erwarten, ziemlich ekelig. Ich habe es dennoch bis zum Ende ertragen – und es wurde immer schlimmer. Mein Wecker geht erst in 15 Minuten (Eintragszeitpunkt 6:45 Uhr), aber ich liege schon seit einer Stunde wach im Bett und echauffiere mich in die Dunkelheit hinein. Mal eine interessante alternative Begründung für Schlaflosigkeit. Aber was war passiert? Neben dem vollkommen überforderten Günther Jauch sprachen zwei recht differenzierte Journalist*innen, der eine von NDR und die andere vom Spiegel, mit einem vollkommen überdrehten Iman und den klassischen politischen Rechtsaußen Bosbach und Buschkowsky über den Islam, den Islamismus, den Salafismus und die obligatorische Unterwanderung Deutschlands durch den Islam. Letzteres ist übrigens keine These aus Reihen der AfD, sondern aus Reihen der SPD. Die Sendung verfuhr nach dem guten alten Muster: Hau den Muslim. Nun muss man zugeben, dass Abdul Adhim Kamouss es seinen Kontrahenten durchaus einfacher machte, als das bei Aiman A. Mazyek, der die Reihe der berüchtigten Islamkritiker*innen für gewöhnlich argumentativ auseinanderzunehmen weiß, der Fall ist. Überdreht, manchmal etwas konfus verkündete er seine Botschaft eines kommunikativen Islams und forderte Präventionsarbeit. Vor allem der letzte Aspekt hätte in der Debatte mehr Raum bekommen müssen. Denn sowohl Özlem Gezer vom Spiegel als auch Stefan Buchen vom NDR beschrieben die Ergebnisse ihrer Recherchearbeiten etwa gleich: Soziale Exklusion, schlechte Zukunftschancen, Gefühle der Unzugehörigkeit. Das Bild ist das klassische Bild des abgehängten Jugendlichen im maximal kompetitiven Spätkapitalismus. Das Phänomen der Anwerbung kennt man rechten Korps und Burschenschaften. Zu Fragen wäre also eigentlich, wie es der Politik gelingen kann den Ursachen zu begegnen. Diese Frage ließ man aber lieber aus und verlegte sich auf Phrasen. Bosbach stellte noch einmal klar, dass man nur auf Grundlage des Grundgesetztes zusammenleben könne. Die Nachfrage, ob dies auch eine Abschaffung des kanonischen Rechts in Deutschland bedeuten müsse blieb – selbstverständlich – aus. Die christliche Paralleljustiz ist offenbar kein Problem. Interessant auch noch der Hinweis von Gezer, dass sie nicht das Gefühl habe, dass sie sich mit einem Schild auf den Marktplatz stellen müssen, um sich vom IS zu distanzieren. Sie erwarte von einem Deutschen auch nicht, dass er sich vom NSU distanziere. Interessant erscheint mir genau dies, weil die Deutschen sogar genau gegenteilig handeln. Ohne die behördliche Unterstützung, auch aus Sachsen, hätte es den NSU nicht gegeben. Die Partei, die diese Behörden kontrolliert hat und welche im Nachgang Spuren zu verwischen versucht, ist erneut stärkste Kraft im Lande geworden. Die Parallelvariante der ‚Sächsischen Demokratie‘, die mit der gezielten Jagd von antifaschistischen Kräften und Polizeieinsätzen weit jenseits der rechtlich erlaubten ist zwar grundgesetzwidrig, aber offenbar kein Grund zur Sorge. Bleibt noch das Frauenbild des Iman: Ja, es war schon etwas merkwürdig, was der gute Mann dort auf den zehn Jahre alten Aufnahmen von sich gab. Und ja, das braucht wirklich kein Mensch. Wie ziemlich viel, was Religionen so zu Tage fördern wirklich kein Mensch braucht. So zu tun, als ob das christliche Frauenbild progressiver wäre ist aber auch blanke Heuchelei. Und wer in den 90ern noch meinte, eine Frau habe ihrem Mann gefälligst sexuell gefügig zu sein, der wurde auch nicht gerade verstoßen. Nein, mit solchen Ansichten wird man in Deutschland Fraktionsvorsitzender oder Bundestagspräsident. Was zurückbleibt ist das ungute Gefühl, dass politische Probleme auf eine Minderheit abgewälzt werden. Neu ist das Prinzip bekanntlich nicht. Und es passt auch zu dem ARD-Konzept eine politisch bestens gebildete Moderatorin von ihrem Sendeplatz zu schmeißen, um einen Boulevardhansel an ihre Stelle zu setzen. Dass Bosbach dann noch die religiöse Lage in Saudi-Arabien ansprach war allerdings tatsächlich amüsant. Scheint dort zumindest nicht so schlimm zu sein, als dass man keine schweren Waffen hinschicken könnte. Denn bedenke: Ein guter Muslim kauft Waffen, ein böser kämpft mit ihnen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Hau den Muslim

  1. philter sagt:

    das ist genial, danke! word*word*word ich bin über den klassenkampf-artikel (der wirklich unterste schublade ist) bei den ruhrbaronen auf diesen blog gestoßen, womit der ja doch noch was gutes hatte! schade, dass hier nicht mehr gebloggt wird – aber das hat wahrscheinlich trifftige gründe!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: