Such a shame

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Oktober 23, 2014 von JoS

Deutschland ist am Ende. Nein, nicht weil viele Menschen Pfand sammeln müssen um zu überleben, auch nicht, weil ein Neonazi-Trio über Jahre mit behördlicher Unterstützung morden konnte und ganz sicher nicht, weil Flüchtlinge in Aufnahmestellen misshandelt werden. Nein, nein. Deutschland ist am Ende, weil Bodo Ramelow Ministerpräsident werden könnte. Für die CDU ist das kein Skandal, keine Zumutung, sondern eine Schande. Und zum Begriff der Schande im politischen Diskurs meint Mely Kiyak recht zutreffen: „Alles, was nach Schande kommt, ist ein Fall für die Unterlassungsklage oder gleich den Straftatbestand der Volksverhetzung.“

Bei der CDU hat man also einmal so richtig ausgeholt. Natürlich darf auch der Verweis auf die SED nicht fehlen. Der westdeutsche Gewerkschaftler Ramelow als Erich Honnecker 2.0. Vielleicht auch eher Walter Ulbricht, man weiß es nicht so genau. Wichtig ist es auf jeden Fall, das Narrativ der zwei Diktaturen auf deutschem Boden fortzusetzen. Die DDR, das ist für die CDU ja so etwas wie der Nationalsozialismus light. Dass diese permanente Verharmlosung des Holocausts durch die CDU auch hier Anklang findet verwundert kaum. Man maschiert stramm rechts – unter anderem an der Seite der neurechten Jungen Freiheit. Dass bereits 16 Jahre nach dem Mauerfall eine ganz systemkonforme DDR-Politikerin Kanzlerin wurde ist natürlich schnuppe.

Neben dieser altbackenen Angst vor der Linken ist der Begriff der Schande aber auch anderweitig interessant. Die Schande ist ein reaktionärer Begriff. Schande erleidet jemand, der sich nicht standesgemäß verhält. Voreheliche Schwangerschaften, Heiraten in tiefere Gesellschaftsschichten – all das sind Aspekte, die Schande bedeuten. Und bei der CDU? Ja, da ist es eine Schande, dass sie nicht reagiert. In der CDU scheint man inzwischen eine Art monarchitischen Parlamentarismus anzunehmen. Es regiert die CDU mit jemanden. Wem die gütige Herrscherin eben die Gunst erweist. Mit einem progressiven Demokratieverständnis hat dies nichts zu tun.

Aber verwundert das wirklich? Die CDU stellte Ministerpräsidenten, die hohe Nazirichter in Antifaschisten umdeuteten und wurden schon in den vierzigern zum Sammelbecken von Faschist*innen. Es gibt familienpolitische Ansätze in der CDU, die unwidersprochen geäußert werden dürfen, welche man mit dem Slogan „Ein Kind für den Führer“ adäquat umschreiben könnte. Die Selbstverständlichkeit, in welcher die CDU ihre Regierungsansprüche begreift, ist nicht demokratisch, sondern totalitär. Und wenn etwas eine Schande ist, dann das. Aber eigentlich auch nicht.

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Ein Kommentar zu “Such a shame

  1. Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Thüringen – Kommentar

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