Offener Brief an den VRR

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Oktober 28, 2014 von JoS

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin genervt. Wirklich, einfach genervt. Dieses genervt sein, das ist bei mir das Stadium nach der Wut. Quasi kurz vor der Resignation. Ich durfte sowohl in diesem wie auch im letzten Jahr erleben, wie Sie Entscheidungen treffen, wie Sie verkehrspolitisch planen. Glauben Sie mir, ich halte Chemtrail-Verschwörungstheorien inzwischen für belastbarer als ihre Planung. Ich frage mich auch, wie Sie eigentlich überhaupt arbeiten. Was ist der Gedanke? Soll bei 38 organisierten Verbünden der Effekt eines duplex negatio affirmat entstehen und aus doppelter Inkompetenz Kompetenz entstehen? Der Verdacht drängt sich auf.

Ich war letzten Monat in einem Hotel in der Schweriner Diaspora untergebracht. Mehr als sechs Kilometer vom Stadtkern entfernt. Der Bus fuhr dort häufiger als in einer deutlich größeren Stadt wie Duisburg. Und er war, auch anders als zum Beispiel in Duisburg, pünktlich. Das Ticket kostete 1,60€. Ein vergleichbares Ticket im VRR würde 5,30€ kosten. Fällt Ihnen etwas auf? Wahrscheinlich nicht.

Ich war in diesem Jahr etwas schockiert, als ich die Arbeit des Verwaltungsrates beobachten durfte. Abschlussbericht und Entlastung? In unter 30 Sekunden durchgewunken. Keine Aussprache. Warum auch? Nur weil die Verspätungszeiten zunehmen? Weil vermehrt Busse und Bahnen wegen technischer Defekte ausfallen? Weil gleich zwei Mal im entsprechenden Zeitraum eine große Protestkampagne angelaufen ist? Weil es immer wieder Probleme mit Abo-Tickets gab? Weil Fahrzeugbegleiter*innen und Kontrolleur*innen falsch instruiert wurden? Nein, nichts. Der Verwaltungsrat, eigentlich ein Kontrollgremium, nickt brav ab. Zumeist ohne die Vorlagen überhaupt zu lesen, sonst wären die diversen Widersprüche in so manchem Dokument doch sicher aufgefallen. Kim Jong-Un wäre sicher stolz auf ihre Version des Parlamentarismus.

Das sind die Hintergründe. Warum ich gerade jetzt schreibe hat aber natürlich auch einen aktuellen Anlass: Ich kam heute eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit. Das zweite Mal diese Woche – und es ist Dienstag. Für mich bedeutet das, dass ich später eine halbe Stunde länger arbeiten werde. Das haben wir hier so geregelt, denn es kommt öfter vor, dass ich zu spät bin. Weil Sie zu spät sind. Heute war aber wieder ein besonderer Tag. Ein 3/3, ein 100% Tag. Denn, wissen Sie, ich muss, um zur Arbeit zu gelangen, zwei Busse und einen Zug nehmen. Ist halt alles etwas kompliziert hier im VRR mit seinen 38 Verkehrsverbünden. Nun war allerdings der erste Bus, bereitgestellt vom hcr, zu spät. Deswegen habe ich sowohl die Bahn, welche ich eigentlich nehme, eine eurobahn, verpasst wie auch Ersatzweise einen RB von der DBRegio. Dass die ebenfalls von der DBRegio gestellte S-Bahn dann auch zu spät war machte aber nichts. Der seitens der EVAG gestellte Anschlussbus war es nämlich auch. Welch ein Morgen!

Meinen Zustand des Genervt-Seins hat dann übrigens der Busfahrer registriert. Sorry nochmal an dieser Stelle für meinen unfreundlichen Morgengruß. Ich sprach kurz mit ihm. Er muss auf seine Pause verzichten, weil sich wegen einer Baustelle die Fahrt verzögert. Bei jeder Tour. Davon ab, dass er deswegen wahrscheinlich gegen geltendes Arbeitsrecht verstoßen muss, frage ich mich, wie Sie eigentlich mit ihren Mitarbeitern umgehen. Also, Baustellen entstehen zumeist nicht aus dem Nichts und sind auch nicht plötzlich wieder weg. Man könnte zum Beispiel einen weiteren Bus einsetzen. Um Fahrpläne und Pausenzeiten einzuhalten. Aber das sage ich jetzt wahrscheinlich wegen mangelnder Inkompetenz in Sachen öffentlicher Personennahverkehr.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich schlage Ihnen einen Deal vor. Sie behalten ihre Gremien, welche immerhin wichtige Abstellgleise für altgediente, aber unbrauchbare Kommunalpolitiker*innen sind, bei. Dafür bezahlen Sie mir einfach den Stundenlohn für die Verspätungen. Keine Angst, ich verdiene nicht viel. Oder Sie beginnen Mal mit einer Strukturreform. Die eine oder andere Million, plus das Taschengeld für meine zusätzliche Arbeitszeit, ließe sich da sicher einsparen. Dann könnten Sie auch neue Fahrzeuge besorgen und einsturzgefährdete Tunnel sanieren. Und ich bin mir ganz sicher, mit ein wenig Übung schafft es auch ein Oberhausener zu verstehen, wie in Dortmund ein Bus funktioniert. Ich möchte mutmaßen, es gibt da gewisse Ähnlichkeiten.Und vielleicht schaffen Sie es dann auch, die Ticketpreise so weit zu senken, dass der Unterhalt eines Autos kostspieliger wird als ein Monatsticket. Aber das nur so als gebeutelter Laie.Ich wünsche noch eine angenehme Woche.

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Ein Kommentar zu “Offener Brief an den VRR

  1. Hat dies auf Forum Politik rebloggt und kommentierte:
    Verkehrsverbund Rhein-Ruhr

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