Lann mich nicht an!

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November 17, 2014 von JoS

Sollte es die Idee von Antonia Baum gewesen sein es soziales Experiment zu versuchen, so muss man gratulieren. In ihrem Artikel über Lann Hornscheidt erwähnte sie die vielen nationalistischen, homophoben und sexistischen Beiträge, die mediale Äußerungen von Lann Hornscheidt in sozialen Netzwerken begleiten. Über den Facebook-Account der FAZ wurde der Beiträg aus der Sonntagszeitung heute geteilt. Fazit: Alles, wie im Artikel.

Zugegeben: Eine ganze Zeitungsseite. In der Onlineausgabe sind das drei Seiten. Das ist sehr viel. Und bei Zeitungsartikeln ist es wie bei Google: Ab Seite zwei ist es uninteressant. Früher musste man die FAZ kaufen und lesen, um sie zu kritisieren. Heute wird geliked. Das spart etwa zwei Stunden Lesezeit, wenn man sich die Hauptthemen aus Politik, Wirtschaft und Feuilleton vorknöpfen will. Und etwa fünf Stunden, wenn man das Ding wirklich komplett haben will. Zeit zum Kommentieren also.

Natürlich ist die FAZ da kein vereinzeltes Phänomen. Die taz zu lesen braucht etwa zwei Stunden, bei der Süddeutschen sind es fast vier. Für die Welt braucht man etwas länger als für die taz. Und wenn man wirklich, wie Fischer einst von sich behauptete, alle wichtigen Zeitungen läse (wobei reflektierte Leser*innen die ganzen Agenturmeldungen natürlich nicht doppelt lesen), dann kann man sich täglich einige Stunden Zeit sparen. Und die kann man zum Kommentieren nutzen. Auch darüber hat die FAZ was geschrieben. Wurde viel kommentiert, aber kaum gelesen.

Ich persönlich fand den Artikel über Lann lesenswert. Nicht orginell, ich hatte die Debatte vorher schon durch. Aber dennoch lesenswert. Und wenn ich mir einmal die FAS vornehme, dann kommt es ebenso häufig vor, dass ich, wenn ich einen Artikel gut finde, feststellen muss, dass er von Antonia Baum ist, wie ich bei ganz schlimmen Artikeln feststellen muss, dass sie von Volker Zastrow sind. Aber ist ja eigentlich auch egal. Bei der FAZ spielen wir Nationalistenbingo. Baum schreibt zwar auch klar, dass die Anfeindungen nicht nur daher kommen. Aber das ist ja egal. Stammtisch, Stammtisch über alles.

Es ist überhaupt medial ein merkwürdiger Tag und ich frage mich, wieviel Angst inzwischen eigentlich die (demokratische) Rechte vor der (irgendwie dann nicht mehr so demokratischen, aber weniger klar umrissenen, weil nicht in der CDU/CSU organisierten) Rechten hat. Während die Junge Freiheit den gemeinsamen Kampf von CDU und AfD gegen eine Abtreibungsklinik lobt, will die Welt lieber dagegen schreiben. Seltsam für ein Blatt, welches die Rechtaußen in der Union schon seit Jahren mit viel Aufwand seriös schreibt.

Paul Pots Devise war es, zuerst die Intelligenzija zu beseitigen. In einer Diktatur geht das schnell. Mir erscheint es immer häufiger so, dass die konservative Intelligenzija, bzw. deren kläglicher Rest, merkt, dass sie auch, zumindest diskursiv, geköpft wird. Wie die Gewerkschaften die SPD verlassen haben, weil sie irgendwie hinter den Begriff der Arbeit das Wort Geber geschmuggelt haben, scheint auch die konservative Presse immer mehr die Unionsparteien zu verlassen. Man mag das als die Zuckungen des elitären Bildungsbürgertums ansehen. Oder es gilt die Frage zu stellen, ob ein streitender Diskurs nicht befruchtender ist, als ein Schreien in der Stille.

Davon ab hat Lann Hornscheidt natürlich recht: Das x ist sprachlich echt unschön. Lässt sich lesen, aber nicht sprechen. Und assoziiert irgendwie auch die Solidität, mit der Ursula von der Leyen Mittel für neue Militärprojekt alloziiert.

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