Das Jahr 2014 in Büchern

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Januar 1, 2015 von JoS

Politisch wie persönlich war das Jahr 2014 eher eine Katastrophe. Aber zumindest habe ich überdurchschnittlich viel gelesen.

1. Ernest Hemmingway – Wem die Stunde schlägt

Der Übertrag aus dem Vorjahr. Wunderbarer Roman aus der Sicht eines amerikanischen Partisanen im spanischen Bürgerkrieg. Manchmal ein wenig verstörend, aber insgesamt durchaus lesenswert.

2. Herman Hesse – Der Steppenwolf

Der Steppenwolf ist für mich immer noch das Buch für einschneidende Lebensmomente. Rezensiert habe ich das hier schon einmal.

3. Thomas Bernhard – Holzfällen

Ein Abend, ein Ohrensessel und eine unerträgliche Gruppe von Menschen. Bernhard ist auf eine so wunderbare Art bösartig, dass es einem gepflegten Zynismus entgegen kommt. An seine Syntax muss man sich gewöhnen, dann machts richtig Spaß.

4. Eugéne Ionesco – Die Stühle

Ein Mann, seine Frau und eine ganze Menge imaginierter Gäste. Ein surreales Stück über die Unmöglichkeit des gelingenden Lebens.

5. Arndt Pollmann – Unmoral

Bei dem Versuch für ein breiteres Publikum zu schreiben können sich Wissenschaftler*innen gerne einmal aufs Maul legen. Pollmann tut das nicht. Er ist explizit nicht über die Maße wissenschaftlich und versucht das Problem von Moralität ex negativo anzugehen. Lesenswert, vor allem für Fachfremde.

6. Herbert Rosendorfer – Das Messingherz

Ein illustres Büchlein über Geheimdienste und die Liebe. Rosendorfer ist in gleicher Weise nachdenklich wie amüsant. Ein Buch, welches unbedingt gelesen werden sollte.

7. Hans Meyer – Wagner

Ich mag Wagner-Ouvertüren. Danach wird es mir zu anstrengend. Über Wagner zu lesen ist allerdings immer wieder spannend. Und die Biographie von Meyerr schafft es noch in besonderer Weise Werk und Person gerecht zu werden.

8. Leo Tolstoi – Auferstehung

Mein erster Tolstoi und direkt mal mit dem unbekanntesten Roman begonnen. Was Tolstoi in Auferstehung verhandelt ist die Auseinandersetzung zwischen Politik und Moral, die Rolle des Individuums in der Gesellschaft. Ein politisches Buch mit wunderbarer Prosa.

9. Thomas Bernhard – Alte Meister

Und wieder Bernhard. Diesmal in der Auseinandersetzung über die österreichische Idee von Kultur. Muss man lesen, kann man nicht erklären.

10. Michael Schwandt – Kritische Theorie

Eine Einführung in die Kritische Theorie aus der Reihe theorie.org. Schwandt arbeitet sowohl historisch wie auch systematisch. Ein Anspruch auf Vollständigkeit kann der kleine Band natürlich nicht stellen, aber als erste Übersicht durchaus geeignet.

11. Michel Foucault – Der Wille zum Wissen

Foucault beschäftigt sich mit Herschaft um und durch den Diskurs. Vor allem die Ausführungen zum Sex in der Gesellschaft ist hochinteressant. Habe ich allerdings, wie ich gestehen muss, deutlich zu grob gelesen.

12. Gottfried Wilhelm Leibniz – Die sogenannte Monadologie

Zirkulärer Gottesbeweis zum Frühstück. Sollte man sich vielleicht auch intensiver mit beschäftigen. Man muss aber nicht ich sein.

13. Gottfried Keller – Der grüne Heinrich

Ein Klassiker des großen deutschen Romans. Nebst einigen politischen Seitendebatten eine interessante Lebensgeschichte in wiederum bemerkenswerter Prosa.

14. Heinrich Böll – Und sagte kein Wort

Seit ich Böll für mich entdeckt habe begeistert er mich immer wieder aufs Neue. Auch diese deprimierende Geschichte über die Unmöglichkeit des Glücks war wieder äußerst eindringlich.

15. Fjodor Dostojewski – Die Brüder Karamasoff

Große Kriminalgeschichte inklusive Diskurs über die russische Gesellschaft. Eifersucht, Mord und Familienfehden. Eigentlich alles, was ein spannendes Buch braucht.

16. Tilmann Moser – Gottesvergiftung

Moser rechnet mit seiner religiösen Erziehung ab, mit der Repression, welche der Glauben schafft und die paranoide Angst, welche daraus folgt. Höchst subjektiv und ebenso unterhaltsam.

17. Friedrich Schiller – Die Räuber

Von Schiller habe ich zu wenig Ahnung. Versuche das immer mal wieder zu ändern. Lohnt sich eigentlich bei jedem Versuch.

18. Svenja Flaßpöhler – Mein Tod gehört mir

Svenja Flaßpöhler behandet in ihrem Buch von 2013 das sehr aktuelle Thema der Sterbehilfe und im besonderen der Suizidassistenz. Anhand von zwei Fällen aus der Schweiz setzt sie sich mit der Praxis bei Exit auseinander und formuliert Probleme, welche noch zu bearbeiten sind.

19. Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

Der ewige Fromm mit seinem Standardwerk über die Liebe. Hat für mich viele Intuitionen klarer formuliert, aber auch andere Fragen aufgeworfen. Spannendes Thema, welches weiterer Beachtung bedarf.

20. Heinrich Mann – Der Untertan

Der Kleinbürger bleibt Kleinbürger. Das macht auch Heinrich Mann klar. Die Sprache im militärischen Stakkato verfolgt den reaktionär. Manchmal zum Schmunzeln, oft bitter.

21. Jean Amery – Hand an sich legen

Der Untertitel des Buches: Diskurs über den Freitod. Amerys Äußerungen zum Thema Suizid haben mein Denken mindestens genau so stark beeinflusst, wie die von Camus. Oft schwer zu verdauen, aber definitiv ein Standardwerk der Debatte.

22. Immanuel Kant – Grundlegung der Metaphysik der Sitten

Gut ist’s, wenn’s keinen Spaß macht. Malevolent gelesen kann man Kant sicher so verstehen. Mag unfair sein, aber das gönne ich mir an dieser Stelle mal.

23. Arthur Schnitzler – Sterben

Hatte auf der CAR viel Zeit zum Lesen und mich mal an zwei Schnitzler-Kurzgeschichten gewagt. Sterben ist äußerst eindringlich. Muss man durchaus verdauen können wollen…

24. Arthur Schnitzler – Das Fräulein Else

…wie eben auch das Abgleiten in den Wahnsinn seitens des Fräulein Else. Zwei gute Beispiele für die Größe, die auch die kleine Prosa erreichen kann.

25. Gabriel Garcia Márquez – Chronik eines angekündigten Todes

Wenn Alle wissen, dass du sterben wirst, aber sich niemand in der Lage fühlt, es zu verhindern. Márquez beschreibt oft zurückhaltend, sehr sachlich und lässt dem Leser zugleich den Eindruck, dass er eingreifen müsse.

26. Siegfried Lenz – Der Verlust

Wenn das Sprechen der Inbegriff dessen ist, was einen Menschen ausmacht, was passiert, wenn die Stimme versagt? Lenz beschreibt die Schwierigkeiten des Umgangs, wenn ein markantes Merkmal ausfällt. Eine schonungslose Darstellung über die Bedingtheit von Liebesbeziehungen.

27. Martin Anders Nexö – Jeanette

Nexö schreibt explizit sozialistische Romane und die politischen Fragen wie deren mögliche Antworten werden innerhalb eines Narrativs behandelt. Bei Jeanette ist dies die Frage über die Rolle der Familie im Leben eines Revolutionärs. Sticht nicht heraus, kann man aber durchaus mal lesen.

28. Eva Demski – Scheintod

Ein Todesfall in aufgewühlten politischen Zeiten. Eine umfassende Rezension gibt es bei Literaturkritik.

29. Sören Kierkegaard – Die Krankheit zum Tode

Was bedeutet eigentlich Verzweiflung? Für Kierkegaard gibt es eine profane und eine religiöse Form der Verzweiflung. Übersetzt man das Religiöse ins Spirituelle und betrachtet das Ganze ein wenig exzistenzialistisch, so lässt sich einiges daraus gewinnen.

30. Andrea Trumann – Feministische Theorie

Noch eine Einführung aus der theorie.org-Reihe. Wie auch bei Schwandt sowohl historisch wie systematisch, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber dafür eine hervorragende Übersicht. Guter Einstieg.

31. Thilo Bock – Tempelhofer Feld

Sehr berlinerisch. Vollständige Rezension gibt’s bei Literaturkritik.

32. Ferdinand von Schirach – Tabu

Komplexer Fall eines Mordes, eine Frage nach Schuld und nach Familie. Kurzweiliger, gut geschriebener Roman.

33. Michel Houellebecq – Ausweitung der Kampfzone

Houellebecq ist für mich so etwas wie die französische Variante von Bukowski. Sein Erstwerk ist durchaus deprimierend, sprachlich aber bereits gelungen und vor allem mit einer Distanz erzählt, die dem Narrativ eine besondere Wirksamkeit verleiht. Unbedingt zu empfehlen.

34. Herbert Marcuse – Essay on Liberation

Marcuse setzt sich in diesem Essay mit der Frage nach der gegenseitigen Befruchtung von kritischer Theorie und Praxis auseinander und entwickelt dabei das Konzept der neuen Sensibilität. Äußerst lesenswerter Text, der bestimmte Themen des eindimensionalen Menschen erneut aufnimmt.

35. George R.R. Martin – Game of Thrones

Nach der Begeisterung für die HBO-Serie mal das erste Buch der Reihe gelesen. Gesichter zu der Masse an Namen zu haben war wirklich hilfreich. Rest der Serie wird irgendwann sicher auch einmal gelesen.

36. José Brunner – Politik des Traumas

Zum Thema Trauma und Politik. Vollständige Rezension gibt es auch hier bei Literaturkritik.

37. Michael Ziegelwagner – Der aufblasbare Kaiser

Wiener Legitimisten. Rezension zum Longlist-Roman bei Literaturkritik.

38. Martin Andersen Nexö – Ditte Menschenkind

Ein Leben vom ungewollten Beginn bis hin zum tragischen Ende. Quasi die sozialistische Variante des Bildungsromans. Vor allem als Gegenentwurf interessant zu lesen.

39. Gaius Sallustius Crispus – Die Catilianische Verschwörung

Sallust als wertender Historiker. Habe, im Zuge der Übersetzung von Ausschnitten, das Werk mal in deutscher Übersetzung vollständig gelesen. War ganz interessant.

40. Wilhelm Kamlah – Meditatio Mortis

Kamlahs Unterscheidung zwischen Bedürfen und Benötigen ist ein weiterer Gedanke, welcher mich durchaus auch ein wenig geprägt hat. Interessanter, kleiner Essay.

41. Max Horkheimer – Traditionelle und kritische Theorie

Horkheimers Grundlegung dessen, was kritische Theorie sein solle. Vor allem in Abgrenzung zu dem, was die traditionelle Theorie leistet. Wissenschaftstheoretisch ein prägender Essay.

42. Marcel Proust – In Swanns Welt

Der erste Teil der Romanreihe Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Wollte mich schon lange einmal daransetzen. Der erste Teil überzeugte…

43. Marcel Proust – Im Schatten junger Mädchenblüte

…und der zweite auch. Größere Rezension gibt es dann nach Beendigung von Band 5.

44. Barbara Kuchler/Stefan Beher – Die Soziologie der Liebe

Sammelband mit soziologischen Texten zum Thema Liebe. Rezension auf Literaturkritik wird nachgereicht.

45. Gunter Gebauer – Die Poetik des Fußballs

Gebauer ist Philosoph und Sportsoziologe. Und aus dieser Sicht auf den Fußball zu schauen ist wahrlich interessant. Das Buch ist durchaus subjektiv und sollte eher aus interessierter Fansicht gelesen werden. Aber dann macht es Spaß.

Zusammengefasst: Kein Mist dabei in diesem Jahr.

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