Noch wer Rechte abzugeben?

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Mai 22, 2015 von JoS

Manchmal frage ich mich, warum die SPD eigentlich so wenig Stimmen bekommt. Würde man taktisch wählen, so böte sich die SPD an. Wäre ich zum Beispiel ein überzeugter Rassist, so würde ich die SPD wählen. Warum sich mit Leuten wie Pastörs und Konsorten rumschlagen, wenn die SPD doch immer so feine Asylkompromisse aushandelt. Und was sind schon die ganzen neurechten Blogs gegen das letzte wirklich erfolgreiche Buch eines Sozialdemokraten? Wer ‚Deutschland den Deutschen‘ nicht nur bierselig gröhlt, sondern wirklich umsetzen will, der sollte SPD wählen.

Wobei das mit den Deutschen natürlich schwierig ist. Es gibt da doch auch gute und schlechte. Produktive Mitglieder der Gesellschaft und, naja, nicht so produktive. Offenes Erschießen auf der Straße ist natürlich schwierig, Internierungslager haben auch nicht so den guten Ruf. Wie wäre es mit einem Sozialsystem, welches Menschen so weit in die Verzweiflung treibt, dass sie sich entweder umbringen oder – PsychKG sei Dank! – einfach weggesperrt werden können. Da reicht man sich auch mit der FDP die Hand. Man kennt sich ja noch aus den guten, alten Zeiten, als man ein Ende der Entnazifizierung forderte.

Apropos FDP: Ja, die waren mit Kohl lange an der Macht. Aber was es braucht, um wirkliche soziale Ungleichheit zu schaffen ist die SPD. Hat man die Gelder für Soziales erst einmal zusammengestrichen, dann kann man den Spitzensteuersatz auch mal senken. Die vier Kabinette Kohl haben in 16 Jahren den Spitzensteuersatz um 3%-Punkte gesenkt. Von 56% auf 53%. Die zwei Kabinette Schröder haben ihn in 8 Jahre um 5%-Punkte gesenkt. Auf 48%. Nun liegt er bei 42%. Verdiente ich wirklich gut, ich wählte SPD.

Und stell dir einmal vor, du hast dich so richtig verspekuliert. Die SPD hilft. Und der DGB macht mit. Kurzarbeit, Lohnkürzungen? Klaro, Hauptsache die Dividenden bleiben und die Boni werden ausgezahlt. Der Mensch ist eben nicht systemrelevant. Und wer macht schon Politik für Menschen? Das wäre doch die reine Hysterie!

Und dann? Da hat man sich so schön oligarchisiert und dann kommen so blöde, kleine Gewerkschaften. Und was machen die? Gewerkschaftsarbeit? Dabei hatte man sich doch geeinigt: Bier und Bratwurst, ja! Streik, nein! Schnell mal einen Gesetzesentwurf reinhauen. Die Cheflobbyistin macht das schon. Warum lautet der Titel ihres Amtes eigentlich ‚Arbeitsministerin‘? Nun, möge sie zumindest an ihrem Gesang arbeiten.

Aber die SPD hat noch ein kleines Problem. Dieses blöde Bundesverfassungsgericht. Da wollen so ein paar Leute in albernen Roben doch tatsächlich, dass Gesetze verfassungskonform seien. Aber der Justizminister weiß was dort zu tun ist: Rechte beschneiden! Ich meine, diese Gewaltenteilung, ist doch alles viel zu anstrengend. Und schadet sicher dem Wirtschaftsstandort. Um überhaupt die Arbeit zu erleichtern, ergeht seitens der SPD hiermit folgende Bitte: Wenn Sie noch Grundrechte haben, geben Sie diese bitte zeitnah ab. Anderweitig wird einfach enteignet. Also, nicht illegal erworbener Besitz, sondern ihre demokratischen Rechte. Demokratische Rechte sind eh nicht so wirklich marktkonform.

Von daher gilt für die Sozialdemokratie auch jetzt: Arschlöcher aller Länder vereinigt Euch! Und natürlich: Möge jeder nach seinem Chauvinismus glücklich werden.

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