(Vorläufiger) Abschied

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Juli 20, 2015 von JoS

Ich habe jetzt schon lange nichts mehr geschrieben. Dass das nicht an dem Mangel an aktuellen Themen liegt, ist ersichtlich. Sowohl hochschulpolitisch die United Students, Asylpolitisch brennende Unterkünfte und die Debatten, die sie begleiten wie auch Europapolitisch die Verhandlungen zwischen Griechendland und der EU sind hochspannende Themen – an sich. Vor allem zu letzterem Thema habe ich bereits an einem Beitrag gebastelt, es dann aber doch sein gelassen. Dies liegt vor allem an meiner Lethargie, mich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen.

Die aktuelle politische Lage ruft nach linker Kritik und Intervention wie schon länger nicht mehr. Dennoch verspüre ich kaum noch die Wut, die mich einst angetrieben hat; das Interesse, Vorgänge zu verstehen, um sie zu begreifen, ist mir fast gänzlich abhanden gekommen. Sagen wir es klar: Ich habe einfach resigniert. Das hat nichts damit zu tun, dass ich bereit wäre unter den bestehenden Umständen zu leben. ‚Angekommen‘ bin ich definitiv nicht.

Doch ist es unsinnig sich in die Kritik zu stürzen, wenn kein Interesse an einer vorherigen Auseinandersetzung besteht – da könnte ich ja gleich für die Jungle World schreiben. Was also tun? Ich bin kein großer Freund von Endgültigem. Doch merke ich, dass meine Argumente immer größere Lücken aufweisen, ich tagespolitisch kaum gebildeter bin als die Leser*innen von Ruhrgebiets Regionalzeitungen und meine Pointen vor allem eines nicht mehr sind – pointiert.

Ich möchte an dieser Stelle also nochmal Dank sagen. Dank an Marvin für die zeitweise Zusammenarbeit – das war sehr befruchtend. Dank für die Unterstützung und vor allem Dank für die die Kritik, sowohl die sachliche, zielführende als auch für die polemische. Beides war sehr erquickend. Analyse und Kritik bedeuten auch immer, sich der eigenen Unzulänglichkeiten bewusst zu machen. Diese öffentlich zu betreiben bedeutet eben auch, diese Fehler und Unzulänglichkeiten öffentlich zu machen. Ich habe mich oft geirrt und leider oft Recht behalten, wenn ich hoffte, dass ich mich irrte.

Ich möchte mit einem Zitat von Charles Lewinsky schließen, welches ich schon mehrfach angebracht habe: „Alle Optimisten sind Träumer, damit behalten die Pessimisten auch immer recht. Sie werden bloß nicht glücklich dabei.“ Zum Träumer hat es bei mir nie gereicht. Jenen, welchen die Utopie fehlt, bleibt nur die Wut und diese ist – siehe oben – nicht mehr da.

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Ein Kommentar zu “(Vorläufiger) Abschied

  1. alialbrecht sagt:

    JoS, schade, dass du aufhörst, auch wenn es nur vorläufig sein sollte. Ich habe immer Respekt davor gehabt, dass du überhaupt geschrieben hast. Wie du sagst, bedeutet es eine Menge Aufwand, sich in ein Thema einzuarbeiten, bevor man überhaupt etwas dazu schreiben oder sagen kann, was über das Offensichtliche hinausgeht. Und selbst das Offensichtliche zu erkennen ist manchmal nicht leicht. Sicherlich hauptsächlich deswegen habe ich selber nie angefangen zu schreiben. Umso mehr hat mich dein Blog interessiert. Auch wenn du mich lange drangsalieren musstest, bevor ich endlich angefangen habe, ihn zu verfolgen. Ich habe vor allem eines bemerkt in der Zeit: du bist besser geworden, klarer, deine Polemik begründeter und deine Kritik gleichzeitig historisch schärfer wie (zu)treffender.
    Sich aus der Lethargie zu befreien ist zäh. Insbesondere dann, wenn nicht die motivierenden Elemente der Ausbeutung den Elan beflügeln. Auf der anderen Seite lässt sich ein kritischer Geist nicht auf Dauer lähmen. Es braucht nur die Erfahrung.
    In diesem Sinne: So long and thanks for the fish.

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